Weed in Argentinien: Leitfaden zum gesetzlichen Status von Cannabis
- 1. Medizinisches marihuana in argentinien
- 2. Besitz und konsum von cannabis
- 3. Ist cbd in argentinien legal?
- 4. Kann man in argentinien cannabissamen kaufen?
- 5. Cannabis-statistiken
- 6. Politik und aussichten
- 7. Fazit
Auch wenn Argentinien nicht gerade an vorderster Front der Cannabis-Legalisierungsbewegung in Südamerika steht, bemüht sich das Land, das Erbe jahrzehntelanger Prohibition zu überwinden und eine vernünftigere Politik zu verfolgen. Derzeit erlaubt die Nation den Anbau und Konsum von medizinischem Marihuana und fördert die Produktion von Hanf. Der persönliche Besitz und Konsum von Cannabis, wie auch von allen anderen illegalen Substanzen, bleibt allerdings in einer rechtlichen Grauzone.
Medizinisches Marihuana in Argentinien
Die erste Gesetzgebung, die den Weg zur Legalisierung von medizinischem Cannabis im Land ebnete, wurde 2017 verabschiedet. Ziel des Gesetzes war es, die wissenschaftliche Forschung zu den gesundheitlichen Vorteilen der Substanz für bestimmte Erkrankungen weiter zu fördern und betroffenen Patient:innen einen legalen Zugang zu ihrem Medikament zu ermöglichen.
Obwohl der Wortlaut des Gesetzes etwas vage war, durften Patient:innen Rezepte für die Substanz und ihre Derivate, einschließlich Cannabisöl, von ihren Ärzten anfordern. Patient:innen konnten sich zudem freiwillig in ein Regierungsprogramm eintragen, das die Kosten der Behandlung übernehmen würde. Wer nicht teilnehmen wollte, zahlte selbst. Sowohl im Inland produzierte als auch importierte Blüten und Arzneimittel waren zugelassen.
Im Mai 2022 verabschiedete der argentinische Kongress ein weiteres Gesetz, welches die Vorschriften für die entstehende heimische Industrie regelte und sowohl öffentliche als auch private Akteure zur Investition entlang der gesamten Wertschöpfungskette einlud. Eine spezielle Regierungsbehörde namens ARICCAME sollte Lizenzen vergeben und den Sektor überwachen. Bis Ende 2023 waren bis zu 300 Lizenzen geplant. Letztlich wurden jedoch nur 6 Lizenzen erteilt, was zu den letzten Handlungen der Behörde gehörte, bevor die Leitung zurücktrat und die Behörde aufgelöst wurde.
Der private Anbau von Marihuana durch Patient:innen ist erlaubt, allerdings müssen alle, die ihr eigenes Medikament anbauen möchten, sich bei Reprocann registrieren und eine Genehmigung erhalten, die von Fall zu Fall erteilt wird. Wie unsere Quellen berichten, ist diese relativ einfach zu bekommen.

Besitz und Konsum von Cannabis
Der Freizeitkonsum von Cannabis ist in Argentinien verboten und der Besitz wird wie bei jeder anderen illegalen Droge behandelt. Bereits einfacher Besitz kann zu Haftstrafen führen. Die Strafrichtlinien lauten wie folgt:
- Einfacher Besitz – 1 Monat bis 2 Jahre,
- Handel – 4 bis 15 Jahre,
- Schmuggel – 4 bis 16 Jahre.
Glücklicherweise erklärte ein Gericht 2009 das Besitzverbot für verfassungswidrig und verschaffte so einigen Betroffenen Erleichterung. Das Gericht argumentierte, dass Erwachsene selbst entscheiden können, ihre Gesundheit zu schädigen, ohne dass der Staat eingreifen sollte. Anders ausgedrückt: Der Gebrauch illegaler Substanzen gilt als straflose Selbstschädigung, wenn keine Gefahr für Dritte besteht.
Dieses Urteil bildet einen Präzedenzfall für alle Fälle, in denen eine Person eine überschaubare Menge einer Droge zum Eigenbedarf besitzt. Das Problem: Das Gericht machte keine genauen Angaben dazu, was als geringe Menge zu werten ist, weshalb es im Ermessen von Polizei und Gericht liegt, zu beurteilen, ob die Menge klein ist und für den Eigenkonsum bestimmt war.
In der Praxis bedeutet das, dass die alten Prohibitionsgesetze, insbesondere das von 1989, weiterhin gelten und jedwede illegale Droge, die bei einer Person gefunden wird, zu Strafverfolgung führen kann. Wie erwähnt, macht das Gesetz keinen Unterschied zwischen Cannabis und anderen, potenziell gefährlicheren, psychoaktiven Substanzen.
Ist CBD in Argentinien legal?
Das Gesetz zum medizinischen Marihuana von 2017 umfasst auch Cannabidiol-Öl, was bedeutet, dass der therapeutische Gebrauch von CBD ebenfalls erlaubt ist. Streng genommen erhält man eine Flasche CBD-Öl legal durch ein ärztliches Rezept, den Kauf in der Apotheke und kann sich sogar die Behandlungskosten erstatten lassen.
Da CBD-Öle aber im Allgemeinen einen sehr geringen THC-Gehalt aufweisen, werden diese Produkte sowohl online als auch in vielen lokalen Läden in Argentinien, wie etwa Growshops, offen verkauft. In Buenos Aires zum Beispiel gibt es davon Dutzende. Diese Läden verkaufen auch Anbautechnik und Raucherzubehör.

Kann man in Argentinien Cannabissamen kaufen?
Wie in Ländern mit eher lockeren Einstellungen zu Cannabis kann man in Argentinien problemlos Marihuana-Samen kaufen. Neben internationalen Megastores wie dem Fast Buds Seedshop, der weltweit versendet, gibt es auch lokale Anbieter, die deine Bestellung online entgegennehmen und Samen direkt zu dir nach Hause liefern. Leider konnten wir nicht bestätigen, ob lokale Läden ihre Samen offen im Verkauf anbieten. Zumindest auf Google Maps finden sich in den Fotogalerien keine Päckchen mit Samen.
Cannabis-Statistiken
Laut aktuellen UN-Daten hat Argentinien fast 46 Millionen Einwohner und ist damit nach Brasilien und Kolumbien das drittbevölkerungsreichste Land Südamerikas. Aber wie viele Menschen konsumieren Cannabis?
Eine nationale Umfrage unter Cannabis-Konsument:innen, durchgeführt von der Revista THC und dem Centro de Estudios de la Cultura Cannábica Argentina (Cecca) mit Unterstützung der Universidad Nacional de Quilmes (UNQ), ergab bei 64.646 Befragten im Alter von 16 bis 92 Jahren, die im Vorjahr mindestens einmal Cannabis konsumiert hatten, Folgendes und wurde im August 2021 veröffentlicht.
Demnach konsumieren 7,8 % der Bevölkerung Argentiniens Cannabis – das entspricht etwa 1,5 Millionen Menschen. Und das, obwohl der Konsum gesetzlich verboten ist.
Unter den Konsument:innen nutzen laut Studie nur 17,6 % Cannabis hauptsächlich zu medizinischen Zwecken, während 82,4 % es vor allem zur Freizeit nutzen.
| Land | Art der Reform | Jahr |
|---|---|---|
| Uruguay | Freizeit | 2013 |
| Chile | Medizinisch | 2015 |
| Kolumbien | Medizinisch | 2016 |
| Argentinien | Medizinisch | 2017 |
| Peru | Medizinisch | 2017 |
| Ecuador | Medizinisch | 2019 |
| Brasilien | Medizinisch (eingeschränkt) | 2019 |
| Paraguay | Medizinisch | 2021 |
Politik und Aussichten
Seit Javier Milei 2023 zum Präsidenten Argentiniens gewählt wurde, bleibt die Situation bezüglich weiterer Cannabisreformen ungewiss. Wie bereits erwähnt, wurde die zuständige Behörde für die medizinische Cannabisindustrie im selben Jahr aufgelöst – im Rahmen von Mileis Plänen für einen radikalen Bürokratieabbau im ineffizienten und weitgehend korrupten Staat.
Milei, ein Verfechter der freien Gesellschaft und des schlanken Staats, erklärte, dass eine Entkriminalisierung von Drogen für ihn kein Problem sei – allerdings weniger mit Blick auf das Wohl der Konsument:innen, sondern aus einer laissez-faire Haltung in gesellschaftlichen Fragen. Wenn Menschen sich entscheiden, sich mit gefährlichen Drogen zu vergiften, sei das ihre Entscheidung. Sie sollten dann aber keine staatliche Unterstützung erwarten.
Aktuell scheint die Drogenpolitik für Mileis Regierung allerdings keine hohe Priorität zu haben; es bestehen zahlreiche dringende Herausforderungen, denen sich das Kabinett angesichts der parlamentarischen Blockade nur schwer stellen kann. Die Zeit wird zeigen, wie es mit der Situation der Cannabisnutzer:innen weitergeht.
Fazit
Der Cannabiskonsum ist in Argentinien weit verbreitet und die gesellschaftliche Haltung zur Pflanze eher locker. Die aktuellen Gesetze sind Überbleibsel der jahrzehntelangen Prohibitionszeit, doch es wurden bereits Schritte in Richtung liberalerer Regelungen unternommen. Dazu gehören Gesetze, die den medizinischen und wissenschaftlichen Einsatz ermöglichen und Patient:innen Zugang zu Blüten, Ölen und anderen Arzneimitteln verschaffen sowie ein Gerichtsurteil, das erwachsenen Menschen das Recht auf Drogenkonsum einräumt.
Dennoch sind weitere Fortschritte nötig, besonders beim Aufbau robuster Regelungen, die den Ausbau der medizinischen Cannabisindustrie fördern statt hemmen, und beim Schaffen eines Rahmens, der das ohnehin bereits anerkannte Recht Erwachsener auf den Zugang zu psychoaktiven Substanzen, darunter Cannabis, tatsächlich schützt.
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