Gras in Neuseeland: Leitfaden zum rechtlichen Status von Cannabis

10 April 2024
Wir helfen Ihnen, den komplexen Gesetzesdschungel rund um Cannabis in Neuseeland zu durchblicken.
10 April 2024
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Gras in Neuseeland: Leitfaden zum rechtlichen Status von Cannabis

Inhalt:
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  • 1. Klassifizierung von cannabis unter illegalen drogen
  • 2. Einfacher besitz
  • 2. a. Wann darf die polizei sie durchsuchen?
  • 2. b. Wann wird besitz zum dealen?
  • 3. Cannabisanbau
  • 3. a. Sind cannabissamen in neuseeland legal?
  • 4. Ist cbd in neuseeland legal?
  • 5. Schrittweise reformen beim cannabis
  • 5. a. Industriehanf legalisiert
  • 5. b. Medizinisches cannabis in neuseeland
  • 6. Fazit

Wer Neuseeland besucht, sollte sich nicht wundern, wenn er Leute beim Kiffen sieht – sei es auf der Straße, auf Partys, Konzerten oder ähnlichen Veranstaltungen. Im Jahr 2006 schätzte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, dass 13,4 % der 16- bis 64-Jährigen die Substanz konsumiert haben, womit das Land weltweit auf Platz 9 beim lebenslangen Marihuana-Konsum liegt. Überraschender ist, dass die Cannabisgesetze in Neuseeland recht restriktiv sind – ein weiterer Beweis dafür, dass Verbote kaum Einfluss auf den Konsum haben.

Klassifizierung von Cannabis unter illegalen Drogen

Laut Neuseelands Misuse of Drugs Act aus dem Jahr 1975 werden illegale Substanzen in drei Klassen eingeteilt – je nach Risiko für Nutzer und Gesellschaft. Die Einteilung ist voller Paradoxien: Die gefährlichste Klasse A umfasst nicht nur Heroin, Methamphetamin und Coka, sondern auch Zauberpilze, während Cannabis und seine Derivate zwei unterschiedliche Klassen zugeordnet sind – Klasse B und Klasse C.

Zur Klasse B zählen Konzentrate wie Cannabis-Öl und Haschisch (als besonders risikoreich eingestuft), während Klasse C mit moderatem Risiko unverarbeitete Pflanzenteile wie Blätter, Blüten sowie Samen umfasst. Jede Substanz auf der Liste ist illegal – das bedeutet, man darf weder Cannabis anbauen noch konsumieren oder besitzen.

 

Einfacher Besitz

Jede Menge von Cannabis im Besitz zu haben – am Körper oder auf dem eigenen Grundstück – ist in Neuseeland verboten. Täter müssen mit einer Geldstrafe bis zu 500 NZD rechnen. Das Gericht kann aber auch eine andere Option wählen – bis zu 3 Monate Gefängnis. Das Drogengesetz selbst empfiehlt jedoch, einfachen Besitz von Klasse-C-Substanzen nicht mit Haft zu bestrafen. Angesichts der hohen Konsumrate in Neuseeland ist es gängige Praxis, Ersttäter laufen zu lassen und lediglich das Gras einzuziehen.

Daten aus einer Studie von 2002 zeigen, dass weniger als 4 % der wegen einfachen Cannabisbesitzes Festgenommenen verurteilt wurden, und weniger als 10 % davon tatsächlich ins Gefängnis mussten. In allen diesen Fällen lagen zusätzliche Straftaten vor. Noch beunruhigender: Bis zum Alter von 21 Jahren wird jeder 20. Cannabiskonsument in Neuseeland wahrscheinlich verhaftet. Außerdem gibt es deutliche rassistische und geschlechtsspezifische Unterschiede: Die indigene Bevölkerung der Māori gerät viermal häufiger wegen Gras in Konflikt mit der Polizei als andere und Männer neunmal häufiger als Frauen.

 

Weed in New Zealand: Cannabis Legal Status Guide: Cannabis leaves, buds, and bottles of cannabis oil

Achtung: Die Cannabisgesetze in Neuseeland sind ziemlich streng.

Wann darf die Polizei Sie durchsuchen?

Die Polizei darf Sie in folgenden Fällen nach Drogen durchsuchen:

  • wenn Sie gefragt werden und zustimmen,
  • wenn ein Durchsuchungsbefehl vorliegt,
  • bei einer Festnahme,
  • wenn begründeter Verdacht auf Drogeneigentum besteht.

Man kann sich unschwer vorstellen, was in Sachen Cannabis als „begründeter Verdacht“ gilt – etwa wenn die Polizisten Gras riechen, Sie beim Konsum beobachten oder Sie berauscht wirken. Wird Cannabis in Ihrem Auto oder Haus gefunden, muss das Gericht nachweisen, dass Sie von dem Gras wussten und es Ihr Eigentum ist.

Wann wird Besitz zum Dealen?

Wird jemand mit mehr als einer Unze (28 Gramm) Cannabis erwischt, geht man automatisch davon aus, dass die Menge zum Vertrieb gedacht war. Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 8 Jahren. Der/die Angeklagte muss dann beweisen, dass das Gras wirklich nur für den Eigenbedarf gedacht war. 2007 entschied das oberste Gericht Neuseelands, dass dies dem rechtsstaatlichen Grundsatz der Unschuldsvermutung widerspricht. Dennoch werden Betroffene bei größeren Mengen routinemäßig wegen Drogenhandels angeklagt.

Cannabisanbau

Laut neuseeländischem Gesetz bezeichnet „Anbau“ jede Tätigkeit rund um die Pflege einer Pflanze – dazu zählen das Aussäen der Samen ebenso wie die Ernte von Blüten wilder Pflanzen.

Es gibt drei Stufen von Straftaten – vom Eigenbedarf über kleinere bis hin zu großen Plantagen – mit entsprechend steigenden Strafen. Die geringste Strafe beträgt 2.000 NZD, kann aber auf bis zu 2 Jahre Haft oder im schlimmsten Fall sogar bis zu 7 Jahre Gefängnis erhöht werden.

Wird zudem nachgewiesen, dass Cannabis nicht zum Eigenbedarf angebaut wurde, drohen zusätzlich Anklagen wegen Besitzes und sogar Drogenhandels. Drogenhandel gilt in Neuseeland als schweres Verbrechen, im Fall von Cannabis drohen bis zu 14 Jahre Gefängnis.

Sind Cannabissamen in Neuseeland legal?

Definitiv nicht. Die Details sind zwar etwas schwammig, doch das Misuse of Drugs Act von 1975 stuft Cannabissamen wie andere Pflanzenteile als Klasse-C-Substanz ein. Damit drohen theoretisch bis zu 3 Monate Haft und/oder 500 NZD Geldstrafe. Auf der Webseite der neuseeländischen Polizei ist von „dem Besitz von Samen oder Früchten einer verbotenen Pflanze“ die Rede – und es wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis und/oder 500 NZD Strafe belegt.

 

Rechtsstatus von Cannabis in NZ Details
Klassifizierung Klasse B: Cannabisöl, Haschisch
  Klasse C: Unverarbeitete Pflanzenteile, Samen
Einfacher Besitz Bis 500 NZD Geldstrafe und/oder bis zu 3 Monate Haft
Durchsuchungsrecht der Polizei Erfordert Zustimmung, Durchsuchungsbefehl, Festnahme oder begründeten Verdacht
Besitz zum Dealen Mehr als 28 g, bis zu 8 Jahre Gefängnis
Anbau Strafen von 2.000 NZD Geldstrafe bis zu 14 Jahre Haft
Cannabissamen Illegal, Klasse-C-Substanz, bis zu 1 Jahr Haft und/oder 500 NZD Strafe
CBD-Produkte Nur mit Rezept, weniger als 2 % THC, keine anderen kontrollierten Substanzen
Industriehanf Erlaubt mit Lizenz, THC-Grenze 0,5 %, reguliert durch Medsafe
Medizinisches Cannabis Mit Rezept erhältlich bei Schmerzen, Schlaf- oder Angstproblemen

Rechtsstatus von Cannabis in Neuseeland – wichtige Fakten und Regelungen.

Ist CBD in Neuseeland legal?

Mit der Einführung des Medical Cannabis Scheme durch das Gesundheitsministerium am 1. April 2020 hat Neuseeland wesentliche Fortschritte bei der Legalisierung von CBD-Produkten gemacht. Das neue Verfahren vereinfacht den Zugang zu medizinischem Cannabis, auch zu CBD-Öl. Jeder in Neuseeland zugelassene Arzt kann CBD-Produkte verschreiben, sofern sie bestimmten Kriterien entsprechen.

Ein legales CBD-Medikament muss Cannabidiol enthalten sowie weniger als 2 % THC oder andere psychoaktive Cannabinoide und keine weiteren kontrollierten Substanzen. Wichtig zu wissen: Die meisten CBD-Produkte aus dem internationalen Markt erfüllen diese Vorgaben nicht. Deshalb müssen Ärzte ein CBD-Isolat oder ein Broad Spectrum CBD verschreiben oder beschaffen, um den Vorgaben zu entsprechen. Während Full-Spectrum CBD, eine weniger verarbeitete Version mit weiteren Cannabinoiden und Terpenen, als überlegenes Produkt gilt, fällt es rechtlich unter medizinisches Cannabis.

 

New Zealand: Cannabis Legal Status Guide: An AI-generated CBD-shop window

Glücklicherweise gibt es CBD-Medikamente bereits in Neuseeland.
 

 

Schrittweise Reformen beim Cannabis

Die neuseeländische Gesetzgebung zum Thema Cannabis hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise verändert – mit einer Entwicklung hin zur Anerkennung der möglichen Vorteile der Pflanze sowohl industriell als auch medizinisch.

Industriehanf legalisiert

2006 ging Neuseeland einen wichtigen Schritt Richtung Cannabis-Reform und legalisierte Anbau sowie Vertrieb von Industriehanf. Diese nicht berauschende Variante der Hanfpflanze wird mittlerweile weniger streng reguliert und darf nun gewerblich angebaut werden.

Wer Hanf anbauen, handeln oder verarbeiten möchte, braucht jedoch nach wie vor eine Lizenz von Medsafe, der Arzneimittelbehörde des Gesundheitsministeriums. Das dient dazu, ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen den praktischen Bedürfnissen der Branche und der notwendigen Kontrolle über Saatgut und Pflanzen.

Die wichtigste Regel: Der THC-Gehalt darf 0,5 % nicht überschreiten, andernfalls muss die Ernte eingefahren oder zerstört werden. Hanfstängel und verarbeitete Hanfprodukte sind von den Verboten des Misuse of Drugs Act 1975 ausgenommen, hierfür ist keine Lizenz nötig. Für Import und Export von Industriehanf werden weiter Lizenzen laut den Misuse of Drugs Regulations 1977 vergeben.

 

Weed in New Zealand: Cannabis Legal Status Guide: A view of a shoreline

Viele Teile des Landes bieten perfekte Bedingungen für den Cannabisanbau.

Medizinisches Cannabis in Neuseeland

Der Misuse of Drugs Act wurde erstmals im Dezember 2018 geändert, womit die medizinische Verwendung von Marihuana in Neuseeland stark ausgeweitet wurde. Die Änderungen ermöglichten es schwerstkranken Patienten im letzten Lebensjahr, Marihuana zu konsumieren, und ebneten den Weg für eine lokale medizinische Cannabis-Industrie. 2022 gab es weitere Gesetzesänderungen – inzwischen sind getrocknete Cannabisblüten nicht mehr nur zur Palliativversorgung, sondern auch für alle per Rezept verfügbar, die sie bei Schmerz-, Schlaf- oder Angstbeschwerden benötigen.

Vorausgegangen waren jahrelange Kampagnen chronisch erkrankter Neuseeländer, die im Cannabis Linderung fanden. Das Gesetz zielt auch darauf ab, Unternehmen zur Herstellung von medizinischem Cannabis und dessen Derivaten für den heimischen sowie internationalen Markt zu fördern. Aktivisten hoffen zudem, dass die Reform besonders benachteiligten Māori-Gemeinden – etwa an der Ostküste der Nordinsel – hilft, indem die blühende illegale Industrie in eine legale überführt wird.

Patienten mit chronischen Schmerzen mussten zunächst ein Jahr auf neue Vorschriften, Lizenzregeln und Qualitätsstandards warten. Mittlerweile erhält man getrocknete Cannabisblüten per Rezept in autorisierten Apotheken – alternativ ist eine Lieferung durch einen Kurier nach Online-Rezeptbestellung möglich. Das Medikament wird aus Australien importiert.

Das Gesundheitsministerium empfiehlt, das Produkt als Tee zu verwenden – was sich aufgrund der schlechten Wasserlöslichkeit der Wirkstoffe kaum eignet. Die meisten Patienten rauchen oder vaporisieren es daher lieber. Ärzte dürfen die Verfügbarkeit von medizinischem Cannabis laut Gesetz nicht bewerben, sodass viele Betroffene gar nichts von der Behandlung wissen. Trotz dieser Einschränkungen ist der Gebrauch von medizinischem Cannabis 2020 um 84 % gestiegen, wobei chronische Schmerzen der häufigste Grund sind.

Fazit

Auch wenn Cannabisgesetze in Neuseeland weiterhin streng sind, deuten jüngste Reformen im Bereich Industriehanf und medizinisches Marihuana auf eine wachsende Anerkennung des Potenzials der Pflanze hin. Während sich weltweit das Gespräch um Cannabis-Legalisierung weiterentwickelt, besteht Hoffnung, dass Neuseeland seine Politik weiter anpasst – entsprechend neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesellschaftlicher Veränderungen. Für den Moment ist es wichtig, dass sowohl Einheimische als auch Besucher die aktuelle Rechtslage kennen und rechtliche Konsequenzen vermeiden.

 



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