Liberale Cannabispolitik führt zu weniger Spice-/K2-Überdosierungen
Indem man untersucht, was passiert, wenn ein Land oder Bundesstaat entweder medizinisches oder Freizeit-Cannabis legalisiert, haben Wissenschaftler herausgefunden, dass beide Maßnahmen zu einem deutlichen Rückgang beim Konsum gefährlicher Designerdrogen führen, die weltweit als Spice, K2 oder Mamba bekannt sind.
Die Forschungsarbeit, veröffentlicht im Journal of Clinical Toxicology, besagt, dass die Einführung von Gesetzen für den Freizeitgebrauch zu einem besonders drastischen Rückgang führt – mit einem jährlichen Rückgang der Exposition gegenüber synthetischen Cannabinoiden um 37 %. Gesetze für medizinisches Cannabis haben einen etwas moderateren Effekt von 13 %. Um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, haben die Autoren die Daten von 7.600 Expositionen gegenüber synthetischen Cannabinoiden zwischen 2016 und 2019 analysiert.
Die Lücke nach der Kriminalisierung von Cannabis
Synthetische Cannabinoide sind eine Art von Designerdrogen, die einst als legale Alternative zur verteufelten „gefährlichen Droge“ – Cannabis – allgegenwärtig waren. Die Hersteller und Verkäufer nutzten dabei einen bekannten Trick: Wenn man die Formel nur leicht verändert, kann das Gesetz nicht mit dem Verbot neuer Varianten Schritt halten.
Als Nebenwirkung entstand eine Vielzahl von Substanzen, die sich immer weiter vom cannabisähnlichen Original entfernten und dabei zunehmend gefährlicher wurden. Dennoch behalten sie weiterhin eine Affinität zu den Cannabinoid-Rezeptoren unseres Körpers und haben ähnlich wirkende Effekte wie Cannabis.

Eine schwer einzudämmende Epidemie
Obwohl synthetische Cannabinoide mittlerweile so illegal sind, wie es ihre schädlichen Wirkungen rechtfertigen, nimmt ihr Konsum dennoch epidemische Ausmaße an. Spice wird häufig als Spray verwendet, um die Chemikalie auf unscheinbares Pflanzenmaterial (zum späteren Rauchen in einer Pfeife oder Bong) aufzutragen. Statt beispielsweise Oregano kann man es auch auf Papier sprühen. Das macht es zum perfekten Mittel, um es überall, sogar ins Gefängnis, zu schmuggeln. In Großbritannien kam es, bevor in Haftanstalten regelmäßig auf synthetische Cannabinoide getestet wurde, zu einem Anstieg schwerer und teilweise tödlicher Überdosierungen bei Insassen.
Auch in den USA gab es ein ähnliches Problem mit K2: Zwischen 2014 und 2015 verdreifachte sich laut CDC die Zahl der Todesfälle durch Überdosierung mit synthetischen Cannabinoiden.
In letzter Zeit sind die Nutzung und die Beliebtheit der „Schwarzen Schafe“ von Cannabis rückläufig. Die meisten Konsumenten sind sich inzwischen der Gefahren bewusst geworden und die sich ändernde Einstellung zu natürlichem Cannabis spielt eine noch größere Rolle. Jetzt gibt es handfeste wissenschaftliche Daten, die belegen, dass die Legalisierung von Cannabis einen großartigen Beitrag dazu leistet, gefährlichere Substanzen von den Straßen fernzuhalten – sei es synthetisches Cannabis oder Opioide.
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