FastBuds Musik Jetzt anhören

Der Ursprung des Wortes „Marihuana“ und warum es als rassistisch belastet gilt

11 August 2022
Denkst du, du kennst den Hintergrund des Wortes Marihuana? Denk nochmal nach…
11 August 2022
5 min read
Der Ursprung des Wortes „Marihuana“ und warum es als rassistisch belastet gilt

Inhalt:
Weiterlesen
  • 1. 1937 – ein echter wendepunkt
  • 2. Heißt das, wir sollten den begriff „marihuana“ gar nicht mehr verwenden?
  • 3. Das fazit

In den letzten Jahrzehnten hat sich die allgemeine öffentliche Wahrnehmung von Cannabis und den Menschen, die es konsumieren, zum Positiven gewandelt. Doch wenn man weniger als ein Jahrhundert zurückblickt, sieht man schnell, wie Verfechter der Prohibition versuchten, die breite Gesellschaft zu rassistischen und fremdenfeindlichen Denkmustern zu manipulieren. 

Wie viele Begriffe fallen dir spontan ein, mit denen man die Cannabispflanze bezeichnet? Weed, Ganja, Pot, Gras, Chron, Bud, Sticky-Icky, Mary Jane … die Liste ist fast endlos und ändert sich von Bundesstaat zu Bundesstaat, von Land zu Land. Das Wort „Marihuana“ ist einer der ältesten Slangbegriffe für unsere Lieblingspflanze, doch die Ursprünge seiner weiten Verbreitung in der westlichen Kultur könnten selbst die erfahrensten Cannabiskenner überraschen.

In den frühen 1900er Jahren kam es aufgrund der Revolution (20. Nov. 1910 – 5. Feb. 1917), die im Paradies südlich der Grenze stattfand, zu einem enormen Zustrom von Mexikanern in die USA. Diese Revolution im großen Stil führte dazu, dass die mexikanische Armee aufgelöst und durch eine revolutionäre Truppe ersetzt wurde, was die mexikanische Kultur und Regierung veränderte – aber auch zu einer Phase der Destabilisierung mit häufigen Gräueltaten gegen die Bevölkerung führte, wodurch viele zur Auswanderung in die USA gezwungen wurden.

 

Der Ursprung des Wortes 'Marihuana': warum es als rassistisch belastet gilt

Das Wort „Marihuana“ ist einer der ältesten Slangbegriffe für unsere Lieblingspflanze.
 

Auch heute kann großflächige Migration nationalistische Stimmungen hervorrufen. Daher lässt sich leicht nachvollziehen, wie dies Anfang des 20. Jahrhunderts gesehen wurde. Die anti-mexikanische Stimmung war längst im Bewusstsein der Öffentlichkeit und wurde von einflussreichen Persönlichkeiten weiter geschürt. Erinnere dich: Der Konsum von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken war damals sehr gering, und das Wissen um die positiven Eigenschaften von Weed war bei der weißen Mehrheit so gut wie nicht vorhanden.

Hier tritt unser Protagonist auf: Harry Anslinger – Kommissar des Federal Bureau of Narcotics (Vorgänger der DEA) und zeitlebens bekennender Rassist. Herr Anslingers Ansichten über andere Kulturen waren gelinde gesagt drakonisch, wie auch seine Einstellung zu jeglichem Drogenkonsum. Als Meister der Propaganda war er zwar nicht der erste, der Cannabis in den USA einschränkte (dies reicht bis nach New York, 1860, zurück), doch er übernahm 1930 offiziell die Zügel. Ihm werden unter anderem folgende Zitate zugeschrieben:

  • „Marihuana ist die gewalttätigste Droge in der Geschichte der Menschheit.“
  • „Es gibt 100.000 Marihuana-Raucher in den USA, und die meisten sind Schwarze, Hispanoamerikaner, Filipinos und Entertainer. Ihre satanische Musik, Jazz und Swing, resultiert aus dem Konsum von Marihuana. Dieses Marihuana sorgt dafür, dass weiße Frauen sexuelle Beziehungen zu Schwarzen, Entertainern und anderen suchen.“
  • „Der Hauptgrund für das Verbot von Marihuana ist seine Wirkung auf die entarteten Rassen.“

Diese Zitate zeigen deutlich seine Abneigung gegenüber Cannabiskonsumenten und allen außerhalb der weißen Rasse und geben Einblick in den Geist des Leiters der damaligen Drogenbekämpfungsbehörde. Tatsächlich war er so rassistisch, dass er selbst in den 1920ern als „verrückt rassistisch“ galt – in einer Zeit, in der Rassismus als alltäglich und mit einer Art Respekt betrachtet wurde.

1937 – ein echter Wendepunkt

Mit dem Marihuana Tax Act von 1937 begannen die Verwirrung und Lügen rund um Cannabis fest in das Bewusstsein der Öffentlichkeit einzudringen – und das alles nahm seinen Anfang mit dem Namen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war „Cannabis“ in Amerika kaum als „Marihuana“ bekannt. Anslinger nutzte geschickt die bereits vorhandenen Ängste, indem er etwas, was die Menschen nicht verstanden, mit einer Gruppe verband, die sie ohnehin nicht mochten. Indem er Cannabis in „Marihuana“ umbenannte und als fremde Substanz darstellte, die von Mexikanern (und Schwarzen) konsumiert wurde, konnte er für seinen Anti-Cannabis-Kreuzzug die Unterstützung gewinnen, die er anderweitig nie bekommen hätte. Eine Taktik, die von Manipulatoren der Geschichte immer wieder genutzt wurde – und bis heute weit verbreitet ist.

 

Der Ursprung des Wortes 'Marihuana': 1937 war ein echter Wendepunkt

Indem Cannabis zu Marihuana umbenannt wurde, unterstützten immer mehr Menschen den Anti-Cannabis-Kreuzzug.
  

Eine weitere Art der Massenmanipulation, die Harry J. Anslinger gekonnt nutzte, war der Einsatz der Massenmedien für seine eigenen Zwecke. Unterstützt vom Verleger William Randolph Hearst startete Anslinger eine Kampagne, die ganz auf seinen eigenen Geschichten beruhte, den sogenannten „Gore Files“. Die Geschichten wurden landesweit verbreitet, wodurch sich die anti-Cannabis-Stimmung von seinem Heimatstaat auf das ganze Land ausbreitete. Aus Polizeiberichten wurden Ausschnitte und Zitate entnommen und so zusammengefügt, dass der Eindruck entstand, Straftaten seien ausschließlich von Cannabiskonsumenten im Zustand des „Reefer Madness“ begangen worden. Dieser Begriff wurde zum Titel des heute berüchtigten Films von 1937, der als Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung von Cannabiskonsumenten gilt.

Das Cannabisverbot hat schon immer Communities of Color und Minderheiten unverhältnismäßig stark getroffen – nicht zuletzt, weil es von Beginn an auf diese Weise in das öffentliche Bewusstsein eingeführt wurde. Es ist wichtig, die Geschichte dieser Pflanze und die Ereignisse, die zu ihrer Kriminalisierung führten, zu verstehen, während wir weiter für die Aufhebung des Verbots kämpfen – ein für alle Mal.

Heißt das, wir sollten den Begriff „Marihuana“ gar nicht mehr verwenden?

Nein, natürlich nicht. Der Begriff „Marihuana“ wird seit Jahrhunderten verwendet und verschwindet nicht so schnell. Wichtig ist jedoch, dass wir seine Geschichte kennen. Das bedeutet, dass wir uns alle mehr Wissen über die Pflanze aneignen und versuchen sollten, bei der Diskussion über Cannabis präziser zu formulieren. Dieser Wandel hat schon begonnen, denn „Cannabis“ wird immer mehr als Bezeichnung für die psychoaktive Art der Pflanze verwendet, während „Hanf“ für die nicht-psychoaktive Sorte genutzt wird.

 

Der Ursprung des Wortes 'Marihuana': Bedeutet das, wir sollten den Begriff nicht nutzen?

Der Begriff „Marihuana“ ist seit Jahrhunderten in Gebrauch und wird auch weiterhin bestehen.
 

Wir sollten auch die rassistischen Implikationen bedenken, die mit dem Wort „Marihuana“ einhergehen. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Geschichte dieser Pflanze immer mit dem Thema „Rasse“ verflochten war – und dass unsere Sprache helfen oder schaden kann. Also, lass uns damit anfangen: Wenn wir die verschiedenen Cannabinoide besprechen, sollten wir ihre korrekten Namen verwenden, wie THC, CBN oder CBD. Je genauer und spezifischer wir sprechen, desto mehr tragen wir dazu bei, die Mythen und Fehlinformationen rund um Cannabis zu entkräften.

2. Das Fazit

Da hast du es – die Ursprünge des Wortes Marihuana und wie eng es mit Rassismus verbunden ist. Das nächste Mal, wenn dir jemand erzählt, Cannabis sei eine Einstiegsdroge oder würde zu gewalttätigem Verhalten führen (was zum Glück heutzutage selten vorkommt), erinnere dich an die Geschichte des Wortes und daran, wie es benutzt wurde, um ganze Bevölkerungsgruppen zu dämonisieren. Und wenn du das nächste Mal jemanden „Marihuana“ sagen hörst, erzähle ihm vielleicht, woher das Wort eigentlich stammt. Nur wenn wir andere aufklären, können wir das negative Image von Cannabis und seinen Nutzer:innen verändern.

Cannabis ist echte Medizin – wir können uns glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, in der wir dieses Thema überhaupt besprechen oder sogar für Freizeit- und medizinische Zwecke nutzen dürfen.



Kommentare

Neuer Kommentar
Noch keine Kommentare


Select a track
0:00 0:00