Ist Cannabis im Vereinigten Königreich legal? Eine kurze Geschichte und Analyse der britischen Gesetze

27 May 2022
Wir beleuchten die undurchsichtige Gesetzeslage rund um Cannabis im Vereinigten Königreich und wie sie Cannabis-Enthusiasten betrifft.
27 May 2022
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Ist Cannabis im Vereinigten Königreich legal? Eine kurze Geschichte und Analyse der britischen Gesetze

Inhalt:
Weiterlesen
  • 1. Cannabis-geschichte im vereinigten königreich
  • 1. a. Die frage der legalisierung im 20. jahrhundert
  • 1. b. 2000er – heute
  • 1. c. Medizinische anwendung von cannabis und marihuana in uk
  • 2. Aktuelle rechtslage zu cannabis im vereinigten königreich
  • 2. a. Was passiert, wenn sie mit cannabis erwischt werden?
  • 3. Chancen auf legalisierung von cannabis im vereinigten königreich
  • 3. a. Die debatte um cannabisreform
  • 3. b. Statistiken
  • 4. Fazit
  • 5. Faq
  • 5. a. Ist es illegal, zu hause in uk cannabis zu konsumieren?
  • 5. b. In welchen ländern ist cannabis legal?
  • 5. c. Kann man jemanden melden, der cannabis raucht?
  • 5. d. Wie weit reicht der geruch von cannabis?

Wer sich auch nur am Rande für eine Cannabisreform interessiert, kann die weitreichenden Veränderungen weltweit nicht ignorieren. In Kanada und 16 US-Bundesstaaten ist Marihuana bereits legal, und Deutschland hat versprochen, es noch vor der nächsten Wahl vollständig zu legalisieren. Kein Wunder, dass immer mehr Briten fragen: Ist Cannabis in UK mittlerweile legal? Und die Frage ist weniger naiv, als man vielleicht denkt.

Derzeit ist Cannabis im Vereinigten Königreich nicht legal. Selbst der Besitz geringer Mengen ist nicht entkriminalisiert und das nationale Programm für medizinisches Cannabis ist noch nicht richtig angelaufen. Eine nüchterne Analyse der Geschichte des Cannabisverbots und jüngster vorsichtiger Gesetzesänderungen zeigt jedoch, dass der rechtliche Status von Cannabis sich hier in nicht allzu ferner Zukunft ändern könnte.

Cannabis-Geschichte im Vereinigten Königreich

Das Verbot von Cannabis ist ein relativ neues Phänomen. Jahrhunderte lang war die Cannabispflanze einfach eine weitere Kulturpflanze, die zur Herstellung von Seilen und Kleidung genutzt wurde. Im 19. Jahrhundert wurden ihre medizinischen Eigenschaften anerkannt und Cannabis wurde ein wichtiger Bestandteil der westlichen Arzneimittelkunde.

Erst im 20. Jahrhundert wurden westliche Gesellschaften, vor allem in den USA, auf den freizeitlichen Gebrauch von Cannabis sowie Opium und anderen Substanzen durch arme Einwanderer aufmerksam. Da dies als neue und ernste Bedrohung wahrgenommen wurde, begann die Obrigkeit mit dem Verbot.

Der abwertende Begriff „Marihuana“, wahrscheinlich mexikanischen Ursprungs, zeugt von der starken Fremdenfeindlichkeit, die das Cannabisverbot von Beginn an prägte. Antikannabisgesetze tauchten zunächst in einzelnen US-Staaten auf und wurden dann auf Bundesebene übernommen. Durch den wachsenden Einfluss der USA auf internationaler Bühne und die Gründung internationaler Organisationen verbreitete sich das Verbot auch in andere Länder, darunter Großbritannien.

Auch Großbritannien war mit der traditionellen Nutzung von Cannabis in seinen Kolonien konfrontiert. Als das Verbot begann, traf es zunächst die Kolonien und erst später den Mutterstaat.

Es bedurfte vieler Jahrzehnte des „War on Drugs“ und „Zero Tolerance“, bis die Idee einer weniger restriktiven Politik von Cannabisbefürwortern eingebracht und allmählich akzeptiert wurde.

Die Frage der Legalisierung im 20. Jahrhundert

Die Cannabisgesetze im Vereinigten Königreich, die nach Unterzeichnung relevanter internationaler Abkommen eingeführt wurden, sind im Dangerous Drugs Act von 1971 verankert. Das Gesetz unterscheidet vier Hauptklassen illegaler Substanzen, Cannabis ist in der zweitrestriktivsten Kategorie: Klasse B. Diese Gruppe umfasst auch Amphetamine und Ketamin.

 

  Droge Besitz Herstellung/Handel
Klasse B Cannabis, synthetische Cannabinoide, Ketamin, Amphetamine, Barbiturate & andere Bis zu 5 Jahre Gefängnis, unbegrenzte Geldstrafe oder beides Bis zu 14 Jahre Gefängnis, unbegrenzte Geldstrafe oder beides

Ist Marihuana in UK legal? Laut Gesetz ist es das nicht.


Interessanterweise konnten Ärzte vor Inkrafttreten dieses Gesetzes Cannabis-Präparate verschreiben, obwohl die Droge seit 1928 für den Freizeitgebrauch illegal war. Der Anbau von Cannabispflanzen wurde 1964 verboten.

Auf dem Legalisierungssektor tat sich bis zum Ende des Jahrhunderts wenig, außer dass der Öffentlichkeit klar wurde, dass Cannabisrauchen immer weiter unter weißen Mittelstandskindern ohne Vorstrafen verbreitet war. Mit mehr als 11.000 Festnahmen pro Jahr 1973 wurde es kein Randproblem mehr.

2000er – Heute

Die Labour-Partei versuchte im Jahr 2001, die Droge durch Herabstufung in Klasse C praktisch zu entkriminalisieren. Das bedeutete, dass die Strafen für Besitz, Konsum und Anbau minimal und die Strafen für Handel oder Weitergabe drastisch reduziert werden würden.

Laut Innenministerium war diese Politik erfolgreich: Allein 2005 sparte die Polizei etwa 199.000 Stunden und konnte sich auf echte Kriminalität konzentrieren. Trotz eines vielversprechenden Anfangs wurde Cannabis 2007 vom damaligen Premierminister Gordon Brown jedoch wieder in Klasse B hochgestuft, wo es bis heute verbleibt. Bei dieser vorschnellen Entscheidung ignorierte der Premierminister die Empfehlungen seines eigenen Beirats für Drogenmissbrauch.

Medizinische Anwendung von Cannabis und Marihuana in UK

2018 legalisierte Großbritannien widerwillig die medizinische Nutzung der Substanz. Die Ungerechtigkeit, schwer kranken Menschen den Zugang zu medizinischem Marihuana zu verwehren, wurde durch den Fall zweier Kinder — Billy Caldwell (12) und Alfie Dingley (6) — deutlich gemacht, die Cannabisöl mit niedrigem THC-Gehalt gegen schwere Epilepsie verwendeten.

Nachdem die Polizei eingeschritten war und durch öffentliche Empörung zum Umdenken gezwungen wurde, mussten sie das Medikament an die Eltern zurückgeben. Das Verbot der medizinischen Nutzung war damit nicht mehr haltbar.

Das medizinische Cannabisprogramm in UK funktioniert heute, steht jedoch stark in der Kritik: Das Land ist zu 100 % auf importiertes Cannabis angewiesen und leidet unter ständigen Engpässen. Erstattungen durch NHS sind sehr schwer zu bekommen und nur wenige Spezialisten dürfen Cannabis verschreiben. In UK können Sie kein Rezept bei Ihrem Hausarzt bekommen, und kein Arzt darf eine Cannabinoid-Therapie empfehlen, bevor nicht alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Auch scheint die Legalisierung von rauchbarem Cannabis unwahrscheinlich.

Aktuelle Rechtslage zu Cannabis im Vereinigten Königreich

Auf dem Papier ist das aktuelle Gesetz nahezu drakonisch. Der bloße Besitz von Cannabis ohne Absicht zur Weitergabe wird mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft. Alternativ droht eine unbegrenzte Geldstrafe – oder beides. Noch schlimmer wird es beim Handel: Hier drohen bis zu 14 Jahre Gefängnis plus unbegrenzte Geldstrafe. Übrigens: ‚Supply‘ (Vertrieb) ist ein Sammelbegriff, der nicht nur den Verkauf gegen Gewinn umfasst. Wer Cannabis verschenkt oder einen Joint teilt, kann ebenfalls bestraft werden.

Bitte beachten Sie, dass alle oben genannten Strafen Maximalstrafen sind und das Gesetz keine klare Linie zieht, wie die Menge der Substanz oder mildernde / erschwerende Umstände Einfluss auf das Strafmaß haben. Die Polizei und Gerichte haben großen Ermessensspielraum.

Was passiert, wenn Sie mit Cannabis erwischt werden?

Wenn Sie von der Polizei mit weniger als einer Unze Marihuana erwischt werden und kein Verdacht auf Handel besteht, kommen Sie meist mit einer Verwarnung vor Ort davon. Besonders, wenn Sie einen einwandfreien Leumund haben. Alternativ kann ein Bußgeld in Höhe von £90 verhängt werden, aber auch ohne Festnahme. Übrigens: Auch eine Verwarnung wird vermerkt, erscheint aber nicht im polizeilichen Führungszeugnis. Und vergessen Sie nicht, das gefundene Cannabis wird beschlagnahmt.

Laut Berichten ist der persönliche Cannabiskonsum für die Polizei in Durham eine geringe Priorität. Das heißt: Eingeschritten wird nur, wenn der Konsum ‚offensichtlich‘ ist oder jemand eine Beschwerde einreicht. Sonst sollen unter 25-Jährige nicht festgenommen werden, Minderjährige werden zu den Eltern gebracht. Die grundsätzliche Politik ist, das Thema auf nicht-strafrechtlichem Wege zu lösen, etwa über Aufklärungskurse und gemeinnützige Maßnahmen.

Das Experiment in Durham war so erfolgreich, dass Derbyshire, Dorset und Surrey nachzogen. Außerdem wurde dieses Jahr ein Plan durchgestochen, dass Londons Behörden ein Pilotprojekt zur Entkriminalisierung des Eigengebrauchs starten wollen.

Beachten Sie außerdem die Drei-Verstöße-Regel für Cannabisdelikte: Beim ersten Mal gibt es nur eine Verwarnung. Das zweite Mal droht ein Bußgeld mit drei Wochen Zahlungsfrist, um weitere Konsequenzen zu vermeiden. Beim dritten Mal kann Festnahme und Anklage folgen, allerdings sind Verurteilungen selten – nicht mehr als ein Viertel aller Angeklagten.

Chancen auf Legalisierung von Cannabis im Vereinigten Königreich

Aller globalen Entwicklungen zum Trotz ist das Thema Cannabislegalisierung in UK bisher kein Bestandteil der öffentlichen Debatte.

Man erkennt zunehmend, dass das medizinische Cannabisprogramm, vier Jahre nach Zulassung cannabisbasierter Medikamente, nicht funktioniert. Die Diskussion um Freizeitgebrauch deutet bislang nur auf eine mögliche Entkriminalisierung hin, kein politisches Lager fordert die vollständige Legalisierung.

Die Debatte um Cannabisreform

Wer sich fragt: "Ist Marihuana in UK legal?" und auf eine klare Antwort der Politik wartet, sollte sich nicht zu große Hoffnungen machen. Im letzten Jahr gab die Pressesprecherin des Premierministers bekannt, Boris Johnson halte Cannabis für eine schädliche Substanz und stellte klar, dass der Konsum Leben zerstört und keine Legalisierung geplant sei.

Cannabis wurde in der Wahlprogramme der Regierungspartei nicht erwähnt. Die offizielle Linie bleibt die Umsetzung des Misuse of Drugs Act von 1971. Gegner der Legalisierung verweisen häufig auf erhöhtes Psychoserisiko bei Konsumenten von Cannabis.

Interessanterweise sank zwischen 2001 und 2007, als Cannabis von Klasse B auf C herabgestuft war, die Zahl der Notaufnahmen wegen cannabisbedingter Psychosen deutlich. Eine mögliche Erklärung: Strengere Regulierung führt zu Konsum stärkerer Marihuanasorten vom Schwarzmarkt, die für Konsumenten schädlicher sein könnten. In Großbritannien werden solche besonders potenten Strains oft als „Skunk“ bezeichnet.

Es wäre jedoch ein Fehler zu glauben, dass alle Tories mit der aktuellen Politik zufrieden sind. Die Unbeliebtheit der Antikannabisgesetze nimmt auch unter konservativen Abgeordneten zu; laut einer Umfrage von 2021 sind 79 Prozent aller Abgeordneten der Ansicht, dass eine Änderung notwendig ist.

Die Labour-Partei unterstützt bessere Zugänge zu CBD-Produkten und medizinischem Cannabis allgemein, sendet aber im Hinblick auf die Entkriminalisierung von Freizeitgebrauch uneinheitliche Signale. Parteichef Sir Kier Starmer lehnt eine Abschaffung des Misuse of Drugs Act ab, befürwortet aber den Entkriminalisierungsversuch in Schottland. Kurz gesagt: Labour setzt auf Laissez-faire und möchte Konsumenten geringer Mengen praktisch nicht mehr strafverfolgen, ohne das Gesetz zu ändern.

Andere Oppositionsparteien verlangen eine stärker wissenschaftlich fundierte Drogenpolitik mit Fokus auf Schadensminimierung, jedoch ohne Legalisierung. Nur die Grünen gehen etwas weiter mit ihrem Vorschlag für Cannabis Social Clubs, in denen Mitglieder Cannabis gemeinsam anbauen und tauschen können.

Statistiken

Folgende Fakten unterstreichen die Notwendigkeit einer weiteren Debatte zur Legalisierung von Cannabis:

  • 8 Prozent der Erwachsenen in UK konsumieren Cannabis
  • Das Volumen des Schwarzmarktes liegt bei £2 Mrd. pro Jahr
  • 48% unterstützen die Legalisierung von Marihuana
  • Es könnten Steuereinnahmen in Höhe von £3,5 Mrd. generiert werden

Umfragen zeigen, dass die Politik im Vereinigten Königreich beim Thema Cannabisreform hinter der öffentlichen Meinung zurückbleibt – besonders, da der harte Kurs den Konsum illegaler Stoffe nicht eingedämmt hat.

Cannabis wurde 1995 zur meistgenutzten Droge Großbritanniens. 8 Prozent der 16- bis 59-Jährigen gaben im März 2020 an, Cannabis konsumiert zu haben. Alle verlassen sich dabei auf den illegalen Markt und geben rund £2 Mrd. jährlich aus.

Bei der heutigen Befürwortung spielen nicht mehr nur Schadensminimierung und Gerechtigkeit gegenüber überüberwachten Gemeinschaften eine Rolle. Wirtschaftliche Anreize gewinnen an Bedeutung: Laut unabhängigen Schätzungen könnte ein legaler Cannabismarkt dem Staat £3,5 Mrd. Einnahmen bescheren.

2019 erreichte das Vereinigte Königreich einen Wendepunkt: Zum ersten Mal gab es doppelt so viele Befürworter der Legalisierung von Cannabis wie Gegner – 48 Prozent zu 24. Mit weltweiten Reformen im Rücken dürfte der Anteil der Befürworter bald die Mehrheit erreichen.

Fazit

Großbritannien ist offenbar noch nicht bereit, seine Haltung zu Cannabis grundlegend zu ändern. Die Behörden setzen weiterhin auf die gescheiterte Alles-Drogen-sind-ein-Übel-Rhetorik. Mehr als ein Versuch, der Jugend die „richtige“ Message zu senden, scheint das allerdings kaum zu sein – denn in der Praxis sehen Polizisten meist lieber weg, solange Konsumenten andere nicht stören.

Immer mehr Polizeidienststellen sprechen sich dafür aus, Cannabisdelikte zur niedrigsten Priorität zu machen und setzen auf diversionäre Maßnahmen statt Geldstrafen, Festnahmen und Inhaftierungen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen – und die gesellschaftliche Realität von Cannabis als Teil des modernen Lebens wird schließlich von Öffentlichkeit und Politik akzeptiert werden. Das wiederum dürfte eher früher als später eine Reform der Gesetze im Vereinigten Königreich bewirken.

FAQ

Ist es illegal, zu Hause in UK Cannabis zu konsumieren?

Cannabis zu rauchen ist überall illegal – auch in den eigenen vier Wänden. Man fühlt sich vielleicht sicherer, wenn es nicht öffentlich passiert, doch der Geruch verbreitet sich weit und Nachbarn können die Polizei verständigen. Die übliche Vorgehensweise ist dann, das Haus herum zu kontrollieren, und wenn die Polizisten den Geruch wahrnehmen, droht Ärger.

In welchen Ländern ist Cannabis legal?

Das erste Land, das Cannabis legalisierte, war Uruguay. 2018 folgte Kanada. In den USA läuft die Legalisierung parallel: Seit 2012 haben 16 Bundesstaaten sowie D.C. Cannabis für den Freizeitgebrauch legalisiert, 37 weitere Staaten und D.C. erlauben medizinischen Gebrauch. Auch in vielen anderen Ländern weltweit (inklusive Europa) ist medizinisches Cannabis erlaubt. In Spanien, den Niederlanden und Portugal ist der Drogenkonsum entkriminalisiert.

Kann man jemanden melden, der Cannabis raucht?

Die britische Polizei bittet darum, jede Straftat zu melden – auch der Konsum von Gras ist strafbar. Wenden Sie sich an die Polizei, wird Ihre Identität geschützt; der Beschuldigte erfährt also nicht, wer die Polizei informiert hat.

Wie weit reicht der Geruch von Cannabis?

Wer Cannabis raucht, dessen Geruch ist wahrscheinlich in einem Radius von etwa 15 Metern wahrnehmbar, hängt aber von vielen Faktoren ab: Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck – all das beeinflusst, wie der Rauch sich verteilt. Und natürlich hängt es davon ab, wie „stark“ die jeweilige Sorte ist. Unter den richtigen Umständen kann man Cannabis sogar aus 30 Metern Entfernung riechen.

 

Externe Links

  1. Drogenstrafen – GOV.UK
  2. YouGov: Umfragen und Befragungen zu Cannabis-Legalisierung
  3. Petition: Legalisierung von Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis


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