Weed in Chile: Leitfaden zum rechtlichen Status von Cannabis
- 1. Persönlicher konsum und anbau werden toleriert
- 1. a. Gesetze und strafen
- 2. Medizinisches marihuana in chile
- 3. Ist cbd in chile legal?
- 4. Kann man in chile cannabis-samen kaufen?
- 5. Statistiken
- 6. Geschichte, politik und ausblick
- 7. Tipps für cannabis-fans auf chile-reise
- 8. Fazit
Als Cannabis-Liebhaber kommt dir Chile beim Besuch vielleicht wie das Paradies vor. Auf den Straßen riecht man oft Cannabis oder sieht Leute, wie sie Joints drehen und rauchen, Growshops gibt es sowohl in Großstädten als auch in kleinen Orten. Es könnte den Anschein erwecken, als wäre Cannabis in Chile völlig legal – aber Vorsicht! Die Gesetze, die Cannabis genauso behandeln wie Kokain und Heroin, gelten weiterhin, und das Konsumieren in der Öffentlichkeit kann nach wie vor Ärger bedeuten.
Persönlicher Konsum und Anbau werden toleriert
Jahrzehntelang war Chile auf den Schmuggel von Cannabis aus anderen Ländern wie Peru und Paraguay angewiesen. Inzwischen ändert sich die Lage, denn immer mehr Chilenen bauen ihren eigenen Vorrat hinter verschlossenen Türen an.
Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde 2015 vom Kongress verabschiedet. Ziel war es, alles rund um den persönlichen Konsum zu entkriminalisieren: den Heim-Anbau, den Besitz und natürlich den Gebrauch selbst. Um Gesetz zu werden, hätte der Entwurf aber auch den Senat passieren müssen – und das ist nie geschehen. Das Vorhaben blieb in der Schwebe und so blieb der persönliche Cannabis-Konsum in Chile so illegal wie eh und je.
Trotzdem hat die weit verbreitete Nutzung und die starke öffentliche Unterstützung für eine liberalere Cannabis-Politik zur Duldung von Eigenanbau und Konsum geführt. Ein kurzer Blick auf ‘Growshops in meiner Nähe’ zeigt, wie alltäglich Cannabis in Chile geworden ist.
Gesetze und Strafen
Auch wer nur eine geringe Menge Cannabis bei sich hat, riskiert Probleme. Sogar eine Anklage wegen „Mikrohandel“ ist möglich. Das Drogengesetz (Ley de drogas) von 2005 besagt, dass keine Strafverfolgung droht, wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass der Besitz „für den persönlichen und sofortigen Gebrauch“ bestimmt ist. Kritiker beanstanden, diese Formulierung sei zu vage, um Konsumenten ausreichend rechtlich zu schützen. Außerdem gibt es eine Klausel, nach der Konsum in Gruppen als erschwerender Umstand gilt – was, laut Aktivisten, gegen die menschliche Natur verstößt, da Menschen gesellige Wesen sind.
Medizinisches Marihuana in Chile
Chile war eines der ersten Länder Lateinamerikas, das die Legalisierung von medizinischem Marihuana vorangetrieben hat. 2015 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Herstellung und den Verkauf von Cannabis für therapeutische Zwecke erlaubt. Die gleiche Regelung gestattet den Gebrauch durch Patienten, die bestimmte Kriterien erfüllen und ein ärztliches Rezept vorweisen können.
2016 entstand in Chile die größte medizinische Cannabis-Farm des Kontinents. Unter Aufsicht des Agrar- und Viehzucht-Dienstes, der Landwirtschaftsbehörde Chiles, wurde dort Berichten zufolge der Anbau auf 7.000 Pflanzen im Jahr ausgeweitet. Großflächiger Anbau bleibt jedoch bis heute eingeschränkt, und nur wenige Unternehmen besitzen die notwendige Genehmigung.
Neben den inländisch angebauten Produkten können zugelassene medizinische Patienten auch importierte Medikamente erhalten – zum Beispiel aus Kanada (etwa vom Unternehmen Tilray) und anderen Ländern. Die zugelassenen Arzneimittel wie Sativex sind oft sehr teuer und werden nicht erstattet. 2017 war Chile das erste Land Lateinamerikas, das Cannabis-basierte Medikamente in Apotheken verkaufte – mittlerweile bieten landesweit über 500 Apotheken medizinischen Cannabis-Patienten Produkte an.
| Land | Eigenkonsum | Anbau | Medizinische Nutzung | Freizeitnutzung |
|---|---|---|---|---|
| Chile | Entkriminalisiert | Toleriert | Legal | Illegal |
| Argentinien | Entkriminalisiert | Illegal | Legal | Illegal |
| Kolumbien | Entkriminalisiert | Legal | Legal | Illegal |
| Mexiko | Entkriminalisiert | Legal | Legal | Legalisierung ausstehend |
| Peru | Entkriminalisiert | Illegal | Legal | Illegal |
| Uruguay | Legal | Legal | Legal | Legal |
Für Ärzte gibt es kaum Anreize, Cannabis oder daraus gewonnene Arzneimittel zu verschreiben. Wird ein Arzt schuldig gesprochen, das Mittel ohne ausreichende Gründe verordnet zu haben, drohen ihm 5 bis 15 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 2.000–28.000 USD. Wer Arzneimittel ohne Genehmigung an Patienten verkauft, muss mit denselben Strafen sowie einer Schließung seines Unternehmens rechnen.
Angesichts all dieser Hürden für Unternehmen und Patienten setzen sich Aktivisten in Chile für den Eigenanbau durch Patienten ein. Bei einer weithin bekannten Veranstaltung 2017 brachte etwa die pro-Cannabis Daya Foundation Patienten in einem Workshop das Cannabis-Anbauen bei.
Ist CBD in Chile legal?
Obwohl CBD ein Cannabinoid ohne psychotrope Wirkung ist, gelten die gleichen Regeln wie für medizinisches Marihuana. Das heißt: Die einzige legale Möglichkeit, CBD-Öl oder ähnliche Produkte zu erwerben, ist Patient zu sein, ein ärztliches Rezept zu erhalten und das Produkt in einer lizenzierten Apotheke zu kaufen.

Kann man in Chile Cannabis-Samen kaufen?
Ja, in Growshops werden Cannabis-Samen offen angeboten. Du kannst deine Lieblingssorte – von regulären über feminisierte bis hin zu autoflowering Samen – im Laden genauso einfach kaufen wie online.
Statistiken
Eine 2017 von der Universidad Andrés Bello und der University of London durchgeführte Studie, die 9 Länder Lateinamerikas verglich, kam zu dem Ergebnis, dass in Chile sowohl der Cannabis-Konsum als auch die niedrige Risikowahrnehmung am höchsten sind. Laut den Forschenden haben 40 % der Chilenen schon einmal Marihuana konsumiert. Nahezu die Hälfte der Befragten sprach sich zudem für eine Legalisierung aus. Diese Befürwortung korrelierte mit einem hohen Wert auf dem Index für menschliche Entwicklung.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2021 verglich Uruguay, das 2013 Cannabis zu Freizeitzwecken legalisierte, mit Chile – beide Länder weisen die höchsten Cannabiskonsummengen in Lateinamerika auf und ein kontinuierlicher Anstieg wird über zwei Jahrzehnte beobachtet. Die Autoren stellen u. a. fest, dass sich die Rate jugendlicher Cannabiskonsumenten in Chile seit 2011 mehr als verdoppelt hat.
Geschichte, Politik und Ausblick
Cannabis hat eine lange Geschichte in Chile, die bis 1545 zurückreicht, als im Quillota-Tal erstmals Hanfanbau eingeführt wurde. Anfangs wurde Hanf zur Fasergewinnung für die Armee und die Schifffahrt angebaut, und Chile wurde zu einem der wenigen Orte in der Neuen Welt, wo der Hanfanbau florierte. Diese frühe Industrie trug erheblich zur Wirtschaft bei und stellte essenzielle Materialien für Militär- und Seeverkehr bereit. Der Anbau weitete sich aus, Überschüsse wurden unter anderem nach Lima, Peru, exportiert.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts gewann Cannabis unter amerikanischen Seeleuten in chilenischen Hafenstädten an Beliebtheit, was zu einer zunehmenden Verbreitung in der einheimischen Bevölkerung führte. In den 1960er und 1970er Jahren stieg der Konsum stark an, zunächst durch den Einfluss ausländischer Seeleute, später durch Hippies aus den USA und anderen lateinamerikanischen Ländern.

In den letzten Jahren erlebte Chile bedeutende sozialpolitische Veränderungen mit Auswirkungen auf die Cannabis-Politik. Die großen Proteste 2019 und 2020 mündeten in die historische Entscheidung, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, um die bestehende, noch aus Pinochets Diktatur stammende Verfassung zu ersetzen. Viele Delegierte der Versammlung sprachen sich für Entkriminalisierung und sogar für den Eigenanbau von Cannabis aus – was unter Cannabis-Befürwortern Hoffnungen weckte.
Am Ende wurde die neue Verfassung jedoch durch ein Referendum abgelehnt, sodass die alte weiterhin gilt. Das ist ein Rückschlag für progressive Cannabis-Politik, zeigt aber auch, dass die Debatte und die Einstellungen in Chile weiterhin im Wandel sind.
Tipps für Cannabis-Fans auf Chile-Reise
- Vorsicht beim Konsumieren in der Öffentlichkeit – es ist weiterhin illegal und kann Strafen nach sich ziehen
- Eigenanbau und Eigenkonsum sind toleriert, aber nicht legal
- Medizinisches Marihuana ist legal, erfordert aber ärztliches Rezept und Kauf in einer lizenzierten Apotheke
- CBD-Produkte unterliegen denselben Regeln wie medizinisches Marihuana und benötigen ein Rezept
- Cannabis-Samen gibt es in Growshops zu kaufen, der Anbau ist aber nur für den Eigenbedarf toleriert
Fazit
Beim Besuch in Chile könnte es so wirken, als sei Cannabis „nichts Besonderes“ und „alle machen es“ – und vermutlich liegst du damit richtig. Dank liberaler Politik und breiter gesellschaftlicher Akzeptanz wird Cannabis in Chile recht tolerant behandelt. Aber vergiss nicht: Die meisten strikten Gesetze aus dem Krieg gegen Drogen sind weiterhin in Kraft – also treibe es nicht zu bunt. Konsumiere diskret und störe niemanden – wie überall sonst auch. Wir wünschen dir eine schöne, entspannte und sichere Zeit in Chile!
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