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Die Geschichte der Autoflower – Erzählt vom Joint Doctor

1 August 2023
Wir alle lieben Autoflower, und The Joint Doctor war der Erste, der sie vor 20 Jahren kommerziell verfügbar gemacht hat.
1 August 2023
26 min read
Die Geschichte der Autoflower – Erzählt vom Joint Doctor

In dieser Folge ist Sasha alias The Joint Doctor zu Gast bei den Fast Buds Talks. Natürlich enthüllen wir, wie die ersten Autos erschaffen wurden und warum er die Sorte Lowryder nannte. Und wir sprechen darüber, wie verrückt die modernen Autoflower heute schon sind und was die Zukunft bringen könnte. 

Lies das vollständige Transkript dieses exklusiven Interviews unten – oder schau es dir als Video an!

 

Die Video-Version dieses großartigen Interviews mit dem Joint Doctor, dem Entwickler der legendären Low Ryder Auto Cannabis-Sorte.
 

Sebastian Good: Irgendwo ist gerade 4:20 Uhr und ich freue mich sehr, dass ihr heute zu dieser ganz besonderen Folge der Fast Buds Talks dabei seid, denn heute habe ich Cannabis-Königshaus hier. Ja. Sasha, der Joint Doctor selbst ist bei mir. Wie geht's dir, Sasha? 

 

Sasha: Sehr gut, danke. Und dir, Sebastian?

 

Sebastian Good: Mir geht's richtig gut. Wir haben kurz off Record geredet. Wir erleben gerade eine Hitzewelle, du und ich. Ich bin in Südspanien. Wo chillst du gerade? 

 

Sasha: Ich bin in Quebec, direkt östlich von Montreal. 

 

Quebec ist eine der dreizehn Provinzen und Territorien Kanadas.

Quebec ist eine der dreizehn Provinzen und Territorien Kanadas.
 

Sebastian Good: Okay. Warte mal kurz, ich musste mich nur sortieren. Das ist ja auch ziemlich nah an deiner alten Heimat, oder? 

 

Sasha: Oh ja. Ich wohne tatsächlich gleich die Straße runter von da, wo ich aufgewachsen bin. Ich bin schon seit einigen Jahren wieder hier. Meine Frau und ich sind zurückgekommen und haben hier einen kleinen Bauernhof gekauft. Es ist wirklich eine schöne Gegend, gleich an der Grenze zu Vermont. 

 

Sebastian Good: Okay, cool. Klingt wirklich wunderschön. Gerade jetzt – Sommer, Frühling, Herbst klingt toll. Wie sind die Winter? Ich bin kein großer Fan von richtig kaltem Wetter. Ich denke, es kann da schon ziemlich kalt werden, oder? 

 

 

 

Es ist wichtig, widerstandsfähige Genetik wie unsere Gorilla Cookies zu wählen, wenn man mit schwierigen Klimazonen zu tun hat.
 

 

Sasha: Ja, ziemlich kalt. Es kann schon mal bis zu minus 30 Grad werden. Das ist wahrscheinlich das Kälteste. Manchmal im Januar oder Februar wird es richtig kalt. Aber wir haben viel Schnee, daher gibt es auch viele Aktivitäten. Vor allem hier in Quebec lieben wir Winteraktivitäten: Hockey, Skifahren und alles, was auf dem Eis passiert, macht uns glücklich. Ich mag den Winter eigentlich sehr. Und ich arbeite sogar am Wochenende auf einem Skihügel, einfach um fit zu bleiben und so weiter.

 

Sebastian Good: Ach ja, das hast du schon bei der Spannabis erwähnt, dass du am Skihang arbeitest. Ich hatte mal ein Reise- und Arbeitsvisum für Kanada, so vor etwa 12 Jahren. Ich... vielleicht war es ein Fehler, vielleicht auch nicht, denn ich startete in New York, lernte 10 Tage später meine Frau kennen, heirateten drei Monate später. Resultat: Ich habe nie Work & Travel nach Kanada gemacht. Und genau das mit dem Skihang war mein Plan. Ich wollte am Lift arbeiten, damit ich, immer wenn ich frei hab, ein Gratis-Ticket habe und einfach snowboarden kann. 

 

Joint Doctor und Sebastian Good auf der Spannabis 2023

Joint Doctor und Sebastian Good auf der Spannabis 2023.
 

Sasha: Ja, genau so ist es. Es ist großartig, auf dem Berg zu arbeiten und einfach draußen zu sein. Egal wie das Wetter ist. Und die Hauptsache dabei: Man kann skifahren, wann immer man will. 

 

Sebastian Good: Ist deine Frau auch aus der Gegend? Was ich daran so mag, das fehlt mir oder uns – denn meine Frau ist aus den USA, wir sehen unsere Familien selten. Aber ihr habt eure Familie immer um euch. Das ist das Beste daran.

 

Sasha: Das ist einer der Hauptgründe, warum wir zurückgekommen sind. Wir sind ein bisschen herumgezogen. Aber meine Eltern und Freunde waren immer ein sehr enges Netzwerk. Wir haben sogar ein Sommerfestival. Ich weiß nicht, ob ich schon davon erzählt habe.

Es heißt Shazam Fest. Es steht nächstes Wochenende an. Es wird von meiner Familie, meinem Bruder, mir und vielen Freiwilligen organisiert. Es ist ein Wochenendfestival: Musik, Akrobatik, viele verschiedene Sachen auf dem Familienhof meiner Eltern. Wenn also jemand in der Gegend ist, schaut bei Shazam Fest vorbei. 

 

Sebastian Good: Ich wünschte, ich könnte kommen, aber ich bin, keine Ahnung, wie viel, 8000 Kilometer entfernt. Ich denke nicht, dass das dieses Mal klappt. Aber irgendwann mache ich eine Tour. Ich habe mittlerweile so viele Freunde über die Cannabis-Community kennengelernt und spreche mit ihnen in den Chats – Instagram, Messenger – und ich will sie alle besuchen, sehen, wo sie leben, wo sie anbauen, und natürlich ihr Weed testen. 

 

Sasha: Absolut! Wenn du mal in der Gegend bist, nehme ich dich auf jeden Fall mit, um die Branche kennenzulernen – sowohl die legale als auch die Underground-Szene. 

 

Sasha in seinem Growroom.

Sasha in seinem Growroom.
 

Sebastian Good: Das nehme ich beim Wort. Irgendwann melde ich mich und sage, Sasha, ich komme vorbei – und bringe auch meine Kamera mit, damit wir Spaß haben und das später mit der Community teilen können. 

 

Sasha: Klar. 

 

Sebastian Good: Du arbeitest natürlich an Doctor’s Choice, Lowryder, und wir werden gleich darauf noch näher eingehen. Aber du bist auch in anderen Projekten aktiv und sehr eingebunden in die Cannabis-Industrie. Woran arbeitest du aktuell noch? 

 

Sasha: Aktuell bin ich unter anderem in einer Verarbeitungseinrichtung tätig. Die wurde von zwei Freunden von mir in Montreal gegründet, heißt J2Science. Und sie haben mich eingestellt, um Produkte für sie zu entwickeln, vor allem Haschisch, weil ich damit Erfahrung und Wissen habe. Ich mache das schon seit Jahren – meistens mit Verschnitt und Resten vom Grow. 

 

Sebastian Good: Wie machst du das? Trockensieben, Waschen, Ice? 

 

Sasha: In diesem Fall machen wir definitiv Ice-Hasch. Einfach sauberes Wasser und hochwertiges Trim. Wir nehmen z.B. Sorten wie Black Cherry Punch. Das ist eines unserer beliebtesten Produkte.

Sebastian Good: Klingt lecker, Mann.

 

Sasha: Ist es auch. Ein wirklich starkes Produkt – bis zu 70% TC im Test. Also ziemlich heftig. Und es ist handgemachtes Haschisch. Wir haben festgestellt, dass man sowas nicht im großen industriellen Maßstab herstellen kann. Es gibt einfach keinen Weg dafür. 

 

Sebastian Good: Das erinnert mich an den Unterschied zwischen Massenware im staatlichen System und Craft Cannabis. Würdest du sagen, das ist vergleichbar – einfach eine kleine Qualitätsstufe besser? Liegt nicht nur an der Liebe, sondern an der Erfahrung der Macher, die wirklich wissen, was sie tun. Daher kommt dieser kleine Extra-Kick. 

 

Sasha: Absolut. Und es ist toll zu wissen, woher dein Cannabis kommt. Eines der Probleme bei der Legalisierung war, dass alle dachten, jetzt läuft alles im großen Maßstab, alles wird maschinell gemacht. Aber wie du sagtest: Die Leute wollen keine Massenware. Sie wollen kein industrielles Weed. Das ist überall das gleiche.

 

Sebastian Good: Es beginnt schon beim Anbau. Selbst wenn eine KI jede Pflanze überwacht, ist es nie wie ein Mensch, der sieht: oh, diese hat einen Kaliummangel, ich reguliere das. Und beim Trimmen: Niemand will maschinentrimmes Weed. Es ist einfach etwas anderes.

 

Sasha: Exakt. Aber es kommt wieder dahin zurück. Die Riesenbetriebe, die Millionen Pfund machen wollten, gehen pleite. Es kommen wieder die Kleinen. Aber es ist halt schwer geworden, als Kleiner einzusteigen.

 

The Joint Doctor mit seinen Pflanzen.

The Joint Doctor mit seinen Pflanzen.

 

Sebastian Good: Wie immer. Es ist überall so, nicht nur bei Cannabis: Sobald Geld kommt, regiert das Geld. Aber Konsumenten werden bewusster und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. 

 

Sasha: Ja. So ist es. Ich versuche seit einigen Jahren in die Position zu kommen, wo wir unsere Samen für den kanadischen Markt produzieren dürfen.

Ich bin also von einem medizinischen Grower, der im kleinen Rahmen produziert, dahin weiter, dass ich jetzt versuche, in die legale Branche zu gehen und meine Samen von Doctor's Choice nach Kanada zu bringen.

Aber wir sind noch nicht ganz so weit. Ein weiteres Projekt (darüber kann ich noch nicht viel sagen bis die Lizenzen da sind): Zusammen mit Freunden und Partnern bauen wir eine Art Inkubator, damit Seed-Brands wie Doctor’s Choice nach Kanada kommen können – aber auch andere Marken. 

 

Sebastian Good: Also quasi eine Anlage, weil die Samen dort produziert werden müssen?

 

Sasha: Genau. Du darfst Cannabis-Produkte nur zu Forschungszwecken importieren. Für den Verkauf in Kanada muss es aber auch dort produziert sein. 

 

Sebastian Good: Ähnlich in Thailand, in Deutschland ist das auch geplant. Ich hoffe, wir finden irgendwann einen Weg, damit umzugehen – wie mit Zigaretten oder Alkohol, da gibt’s keine Einschränkungen wegen Lobbyismus, aber Cannabis hat keine Lobby. 

Sasha: Unglaublich. Das wäre wirklich schön. Was ist mit dem gesellschaftlichen Aspekt? In Spanien gibt es zum Glück das soziale Modell. Viel rationaler als unser Legalisierungsmodell. Du kannst kaufen, aber es ist nur kommerzialisiert, nicht legalisiert. Du verstehst, was ich meine? 

 

Rechtliche Lage für Cannabis weltweit 2023.

Rechtliche Lage für Cannabis weltweit 2023.

 

Sebastian Good: Es ist eine sehr, sehr feine Linie. Es gibt weiterhin einen Graumarkt, Schwarzmarkt, weil die Kleinen gar nicht in den legalen Markt kommen können und am Ende gewinnen die Konzerne. Was mir in Spanien nicht gefällt: Es gibt kein klares Pflanzenlimit – z. B. fünf pro Person – sondern alles ist grau, mal erlaubt, mal nicht. Du weißt nie, ob die Polizei klingelt und die Pflanzen konfiszieren will. Am Ende gibt es zwar nur eine Geldstrafe, aber das ist ein komisches Gefühl. Das kennst du ja auch aus deinen Erfahrungen. Aber eine Frage: Joint Doctor – so habe ich dich lange vor deinem Gesicht gekannt. Wie kam der Name? Wie entstand das? 

 

Sasha: Gute Frage. Ich glaube, das hat mir noch niemand gestellt. Ich muss zurück in meine College-Zeit. Ich war 20 und baute schon Pflanzen an und war für meine Weed-Leidenschaft bekannt. Mein Freund Paul und ich waren auf einem Skihügel, es war ein Schneesturm, aber ich habe es trotzdem geschafft, einen Joint zu drehen. Einmal habe ich auch einen seiner schlecht gedrehten Joints gerettet, und er meinte: "Mann, du bist der Joint Doctor." Und der Name ist dann einfach hängen geblieben. 

 

Sebastian Good: Großartig. 

 

Sasha: Ich habe ihn später auch als DJ-Namen verwendet, als ich Reggae aufgelegt habe. Ich schrieb Artikel unter dem Pseudonym, weil ich damals nicht meinen echten Namen nutzen wollte. 

 

Sebastian Good: Ich nutze meinen echten Namen auch nicht – Good ist nicht mein Nachname. Und ich war im Nachhinein sauer, weil mein richtiger Vorname Philip ist. Hätte ich mich doch Phil Good genannt! 

 

Sebastian Good bei der AWC-2022.

Sebastian Good bei der AWC-2022.
 

Sasha: Dr. Phil Good gab es schon. 

 

Sebastian Good: Wahr. Lass uns ein bisschen zurückblicken auf deine Vergangenheit. Du hast einen superinteressanten Familienhintergrund. Ich kann mich da sehr wiederfinden – war in großen Städten wie New York, Barcelona, wollte dann aber raus und mehr anbauen. Ich habe zwar keinen eigenen Hof, aber deine Eltern sind ausgewandert und das war bei uns ähnlich, stimmt’s? 

 

Sasha: Ja, genau. Meine Eltern haben beschlossen, raus aus der Stadt zu ziehen, als ich geboren wurde. Wie viele Hippies damals wollten sie gesünder leben, eigenes Essen anbauen, nachhaltiger werden. Sie kauften eine kleine Farm, hielten Ziegen, und ich hatte dadurch eine ganz andere Kindheit – auch mit Cannabis. Viele Freunde meiner Eltern kamen vorbei, es war ein soziales Umfeld und Cannabis wurde geteilt. Es gab nie ein negatives Stigma bei uns. Mein Vater hat mich auch ans Anbauen herangeführt, er hatte mit den Behörden Ärger und musste ins Gefängnis, da war ich elf. 


Ich musste ab dann mehr auf dem Hof mithelfen. Es war zwar hart für die Familie, aber mein Vater sieht es im Nachhinein positiv: Er kam topfit aus dem Gefängnis zurück. Ab dann sind wir viel gelaufen, ich war sportlich und half meinem Vater beim Anbauen – fürs Gießen war ich zuständig. So fing alles an. Mein Vater war hier echt bekannt für das beste Weed. 

In den 70ern gab es hier kaum Leute, die angebaut haben. Es wurde importiertes, samenreiches Gras geraucht. Das Weed meines Vaters war daher etwas Besonderes. Bis heute ist er einer meiner größten Fans, begleitet mich auf Konferenzen, testet meine Pflanzen in seinem Garten.

 

Sasha hält bei einer Konferenz eine Rede.

Sasha hält bei einer Konferenz eine Rede.

 

Sebastian Good: Ein sehr guter Test-Grower. Ich hoffe, ich kann auch mal Test-Grower für meine Familie werden. Cannabis hat auch bei uns kein negatives Stigma. Mein Kind ist fünf, stellt Fragen – man muss einiges erklären und trotzdem vorsichtig sein. Wie war das für dich als Kind? Und deine Familie war schon bio, bevor bio ein Trend war, oder? 

 

Sasha: Absolut. Es war damals das Thema. Es gab die ersten Bücher zu biodynamischer Landwirtschaft. Meine Eltern gründeten sogar mit anderen die Organic Crop Improvement Association. Die haben weltweit Bauern organisiert für die ersten Zertifizierungen, z. B. in Peru für Kaffee. Mein Vater war später oft auf Reisen, um vor Ort zu helfen. Heute ist Bio riesig – er war am Anfang dabei. 

 

Sebastian Good: Vielleicht einer der Gründe, warum sein Weed besonders war – neben der Selektion der männlichen Pflanzen. Ich glaube ehrlich, Bio-Kräuter schmecken einfach besser. 

 

Sasha: Keine Frage. Wenn du etwas isst oder rauchst, willst du gute Zutaten. Es geht um die Gesundheit des Bodens, der Umwelt, um die Sicherheit für Arbeiter und um den Menschen am Ende. 

Sebastian Good: Und privat: Mein Kind ist fünf, steckt sich immer noch alles in den Mund. Ich verwende keine Chemie, muss mir keine Gedanken machen, und es ist schön zu sehen, wie er mit Würmern, Käfern spielt. Bringt sie zu Mama, Mama rennt weg – wir lachen. Das ist…

 

Sasha: Echt cool. Er zeigt schon Interesse an Naturwissenschaft. 

 

Sebastian Good: Macht mich stolz und bestätigt mich. Es war der richtige Weg raus aus der Stadt. Das erste Jahr in Barcelona ging noch, aber dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Dann kam – zum Glück – COVID, meine Frau war nach acht Wochen Lockdown endgültig überzeugt: „Ich brauch einen Garten, ich will aufs Land.“ 

 

Sebastians Zuhause inmitten der Natur.

Sebastians Zuhause inmitten der Natur.
 

Sasha: Viele haben das so empfunden wie du. Ein Drang zurück zur Natur, wie meine Eltern damals in den 70ern. Ein nachhaltiger Lebensstil. Zugang zu Land tut gut. Wenn du in der Stadt feststeckst, ist es schwer. Aber irgendwo steckt die Liebe zur Natur in allen. 

 

Sebastian Good: Ja. Etwas anzubauen ist immer etwas Besonderes.

Man hat eine besondere Beziehung zu dem, was man anbaut, es schmeckt einfach besser. 

 

Sasha: Ja, immer, bei allem – nicht nur beim Weed. Wenn du Liebe reinsteckst, Geduld hast, kommt am Ende etwas ganz Besonderes dabei raus. 

 

Sebastian Good: Absolut. Und noch mal: Dein Vater, als Kind hast du erlebt, dass er für Cannabis Ärger bekam. Wie hat das dich geprägt? A) deine Beziehung zur Pflanze – andere sehen Cannabis als negativ –, und B) dein Verhältnis zu den Behörden? 

Sasha: Ich hatte mein Leben lang Angst vor Behörden, Polizisten. Man ist Teil einer Verschwörung – ob man will oder nicht. Und das Letzte, was ich wollte, war selbst im Gefängnis zu landen. Ich wollte einen sicheren Weg, mit der Pflanze zu arbeiten. 

Ich habe immer alles mit Vorsicht gemacht und hatte wenig Probleme mit dem Gesetz – aber viele enge Situationen. Ich habe heute Glück, dass ich nicht mehr in Angst leben muss. Jahrelang war ich immer angespannt: Tu ich alles richtig? Kann jeden Moment alles verlieren? Heute fühlt es sich gut an, offen auftreten zu können. Natürlich bleibt manchmal noch ein Rest von Angst, aber es ist besser als früher.

Dank Legalisierung und Medizin-Grower-Permits kann ich heute Gesicht zeigen und meinen echten Namen nutzen. Und falls doch mal etwas passiert: Es sind keine harten Drogen. Es ist nicht das Ende der Welt. 

 

Sebastian Good: Absolut. Und du bist in Kanada in einer deutlich besseren Situation. In Deutschland würde ich das, was ich tue, nicht machen. Wie gesagt: Maximal sechs, sieben Pflanzen, mehr habe ich nicht. Ich zeige mich in einem Land, wo es nicht 100% legal ist. Wie krass wäre es, 100 Pflanzen zu haben, ein riesiger Garten! Das wäre Luxus, auch wenn es viel Arbeit ist. Aber so baue ich nur für mich an, verlässt das Haus nicht. Aus Angst. Aber hast du damals schon die Liebe zur Pflanze gespürt oder kam das später?

 

Sebastians Hausgarten.

Sebastians Hausgarten.
 

Sasha: Mein Leben wandte sich, als ich mit 16 einen Motorradunfall hatte, lange Genesung. In dem Sommer hat mir ein Onkel das Rauchen nähergebracht – er arbeitete auf dem Hof. Es half mir sehr, aus mir rauszukommen, auch gegen die Schmerzen. Ab da bauten wir zusammen an. 

 

Sebastian Good: Interessant. 

 

Sasha: Wir hatten geniale Genetik, z.B. Big Bud von Sensi Seeds. Mein Onkel wusste Bescheid. Ich hab viel von ihm gelernt. Wir gingen zum Guerilla-Grow in den Wald. Es war ein Abenteuer, früh morgens mit Kompost auf dem Rücken, mitten in der Natur. Es war ein Kick, aber auch wunderschöne Pflanzen und das Weed war super. Die Leute liebten mein Gras. Im Sommer wurde Anbau ein Lifestyle für mich, im Semester war ich Student. Das war mein Weg, dem ich voll und ganz gefolgt bin. 

 

Sebastian Good: Natürlich. Das klingt spaßig. Die ersten Pflanzen, die ich anbaute, waren auch guerilla-mäßig, aber in Deutschland gibt‘s keine echten Wälder mehr. Meistens waren die Pflanzen weg, weil sie jemand entdeckte. Zuhause bauen ging nicht, meine Eltern, alles eher heimlich. Hash haben sie aber trotzdem gefunden... Die Zeit war vorbei. Du hast aber eigentlich nie aufgehört, oder?

Sasha:

Genau. Das ist auch, warum Lowryder und Autos überhaupt entstanden: Ich wollte eine Pflanze, die ich überall anbauen kann, ganz egal ob drinnen im Winter, draußen im Sommer, es war einfach wenig Aufwand.

Ich war in Vancouver zu einer entscheidenden Zeit. Nach dem Studium, zu meiner Freundin gezogen, da war die Stadt Toleranzzentrum für Weed. 

 

Sebastian Good: Damals war auch Jorge noch dort, bevor er nach Europa kam, oder? 

 

Jorge Cervantes mit Cristian Medina von Fast Buds auf der Spannabis 2023.

Jorge Cervantes mit Cristian Medina von Fast Buds auf der Spannabis 2023.

 

Sasha: Sehr früh schon. Marc Emery zum Beispiel, der „Prince of Pot“, hatte einen Seed-Shop und das Magazin Cannabis Culture. Die Polizei ließ ihn in Ruhe, Vancouver hatte größere Sorgen mit harten Drogen und war tolerant zu Cannabis. Vancouver wurde Inkubator der Szene. Ich habe auch dort für Emery geschrieben.

Und daraus ergab sich, dass ich nach Polen ging, um Hanf zu studieren. 

 

Sebastian Good: Dort hattest du dann diese Vergleichsstudie, oder? 

 

Sasha: Ja. Die Eltern von Lowryder, das waren Sorten, die ich mitnahm und in Polen getestet habe, im zweiten Jahr dort.

Ich studierte zwar Hanf, aber eigentlich interessierte mich THC-Cannabis. Ich konnte einen Teil des Gewächshauses für Vergleichstests verwenden. Wir waren spät dran im Sommer, doch eine der Pflanzen (Willy’s odd, Willy’s automatic) hat herausgestochen: Sie hat superschnell geblüht – damals wussten wir noch gar nicht, was wir da hatten.

 

Sashas Hanfstudium in Polen, 1996.

Sashas Hanfstudium in Polen, 1996.

 

Sebastian Good: Bevor wir zu sehr abschweifen: Lass uns wirklich über Lowryder reden. Damit begann ja dein Vermächtnis. Es sind ca. 20 Jahre, seit Lowryder auf den Markt kam, oder?

 

Sasha:

Genau. 2003 haben wir die erste Charge Samen verkauft. Das war die erste Generation von Lowryder, aber entwickelt wurde sie schon Jahre davor.

 

Sebastian Good: Was hat dich vom Anbau zur Zucht, zur Samenproduktion bewegt? Woher kam dein Interesse fürs Breeding? 

 

Sasha: Es gab einen Freund, Antonio – eine Art mexikanischer Rastaman, voller Weisheit über Cannabis. Einer der Menschen, die mir viel beigebracht haben. Er sammelte Samen. 

 

Sebastian Good: Du hattest also von Anfang an Mentoren: dein Vater (Gärtner), dein Onkel (Guerilla-Grow), Antonio. Das ist ein Segen, so viel Wissen und Input für die Pflanze zu bekommen.

 

Vergleichsstudie in Polen. Test von Lowryder-Eltern, 1996.

Vergleichsstudie in Polen. Test von Lowryder-Eltern, 1996.
 

Sasha: Stimmt. Unsere Gegend, Eastern Townships, ist nicht so berühmt wie BC, aber dank all der alten Hippies mit Samen aus Afghanistan, Kolumbien usw. hatte sie tolle Sorten. Viele meiner Freunde, mein Jahrgang, tauschten Samen. Antonio hatte eine Sammlung. Eine davon gab er mir: Mexican ruderalis. 

 

Sebastian Good: Mexican Rudy. Die legendäre Mexican Rudy. Für alle Autoflower-Fans: Das ist der Urahn dessen, was du gemacht hast, oder? 

 

Sasha: Genau.

Mexican ruderalis war damals unter den Sorten. Das Besondere: Ich besuchte Antonio im Juli; in dem Jahr gab es fast kein Gras, aber er hatte Pflanzen, die reif waren – kleine Pflanzen, aber sie blühten mitten im Sommer und waren rauchfertig. Geschmacklich nett, aber eher mild. 

Wir verstanden nicht, wie das funktionierte. Aber Antonio hat mir und Christian davon Samen gegeben, und wir haben begonnen, damit zu growen. Als ich vom Land in den Studentenwohnheim zog und später in Wohnungen, suchte ich kompaktere, schnellere Pflanzen. 

 

Sebastian Good: Logisch. Vom Landleben zu kleinen Studentenbuden – du brauchtest stealthy, kleine Pflanzen. 

 

Sasha: Genau. Ich wollte kompakte, kleine Sorten züchten. Ich arbeitete schon länger an solchen Genetiken, bevor Lowryder entstand. Das dauerte Jahre, bis klar war, was wir da hatten und die Eigenschaft isoliert wurde.

 

Sebastian Good: Du hattest also Mexican ruderalis und hast gemeinsam mit Christian angefangen zu kreuzen? War das so? 

 

Fotos aus Sashas Archiv.

Von links nach rechts: Sashas Familie auf der Shazam Farm (1981); Sashas erste Plantage; Antonio. Fotos: Sasha-Archiv.
 

Sasha: Genau. Wir teilten uns eins Apartment in Vancouver. Jeder hatte seine Pflanzen im Gästezimmer. Christian war super organisiert, ich mehr chaotisch. Wir kreuzten alles, was wir hatten, auch ruderalis x William's Wonder, x Northern Lights #2 und andere Dinge. 

Unter anderem kreuzten wir ruderalis mit William's Wonder, hatten auch Northern Lights #2 damals, dazu viele andere Kombinationen 

 

Sebastian Good: Und all diese Samen kamen dann in die Sammlung oder hast du gleich weiter gemacht?

 

Sasha: Klar, ich hatte nur begrenzten Platz zum Testen. Ich wollte etwas züchten, das man irgendwann vermarkten kann. 

 

Sebastian Good: Macht Sinn. 

 

Sasha: Für uns sollte es etwas Neues, Cooles sein, das jeder anbauen kann – einfach, zugänglich. Wir ahnten nicht, dass es mal eine eigene Kategorie Cannabis wird. 

 

Autoflower sind viel größer geworden, als irgendjemand erwartet hätte.

Autoflower sind viel größer geworden, als irgendjemand erwartet hätte.

 

Sebastian Good: Hattest du damals schon einen Namen dafür oder hast du die Samen einfach nach Polen mitgenommen? Wie ging's weiter ab da? 

 

Sasha: Die Samen gingen mit nach Polen, das waren die ersten Kreuzungen. Wenn du f1, also eine automatische und eine reguläre Sorte kreuzt...

 

Sebastian Good: Sie sind schneller, aber noch nicht voll automatisch. 

 

Sasha: Genau. Erst nach 2–3 Generationen kam das Auto-Gen durch. Es war eigentlich eine Dreier-Kreuzung: ruderalis, Northern Lights, William's Wonder, dann einmal Inzucht. Das hab ich in Polen gemacht, und dann zog ich zurück nach Kanada, nach Saskatchewan, arbeitete für eine Hanffirma und züchtete nebenbei weiter.

 

In einer rekordbrechenden Hanfsamenplantage, Saskatchewan ca. 2000.

In einer rekordbrechenden Hanfsamenplantage, Saskatchewan ca. 2000.
 

 

Sebastian Good: Macht Sinn. 

 

Sasha: Aber ich growte im Keller meines Freundes Dave (er war Fotograf, er dokumentierte alles, viele der Fotos stammen von ihm). Wir growten die nächste Generation dieser Samen unter 24h Licht (Leuchtstofflampen). Nach knapp zwei Wochen zeigten sich die ersten männlichen Pflanzen – Mini-Sämlinge mit männlichen Blüten. Wir dachten "Was zum...?!" Aber dann blühten auch die Weibchen wenig später. Wir kreuzten alle zusammen weiter und in der nächsten Generation waren sie 100% automatisch. Erst da begriff ich allmählich – das ist ein rezessives Merkmal, das jetzt nach Generationen voll zurückkehrt.

Wir nannten sie damals noch nicht Lowryder, sondern Willie's automatic. 

 

Alte Fotos von Lowryder Cannabis Pflanzen aus Sashas Archiv. Frühere Autoflower-Genetik.

Alte Lowryder-Fotos. Aus Sashas Archiv.
 

Sebastian Good: William's Wonder war eine deiner Favoriten-Sorten?

 

Sasha: Ja, ich liebte den Geschmack, und der kam in den ersten Willie's automatic-Generationen auch noch durch. Später kam der Name Lowryder – als ich das Magazine Lowrider (über Chicano-Autos) las, wollte ich den mexikanischen Hintergrund eh würdigen. Daher die Schreibweise mit y. 

 

Sebastian Good: Cool. 

 

Sasha: Und dann, als das Auto-Gen stabil war – wie lange hat die Selektion dann noch gedauert? Irgendwann hast du die Samen gekeimt und selektiert, oder? Wie ging es ab da? 

 

Sasha: Es war wirklich klein angefangen. Das Internet kam gerade auf. Um Lowryder bekannt zu machen, war ich auf Foren wie overgrow.com, Hybrid etc. aktiv.

 

Sebastian Good: Hybrid, das Forum hast du doch betrieben?

 

Sasha: Genau, ich habe es betrieben. Es war eine Sammelstelle für alle Autoflower-Fans. Und die Idee verbreitete sich rasant! 

 

Sasha arbeitet in einem Gewächshaus.

Sasha arbeitet in einem Gewächshaus.
 

Sebastian Good: Es hat viele dazu gebracht, überhaupt erst zu growen. Keine Lichtsteuerung mehr nötig, kompakte Pflanzen, etwas völlig Neues. 

 

Sasha: Genau. Es waren oft nicht nur etablierte Grower, sondern Neulinge, die einfach ihr eigenes Gras wollten. Kein Profi nötig. 

 

Sebastian Good: Wie hast du es auf dem Schwarzmarkt gemacht? Gleich größere Chargen produziert und über die Jahre selektiert?

 

Sasha: Genau. Es gab Fehler, v. a. weil wir mit schwankender Genetik in kleinen Chargen gearbeitet haben. In den ersten Generationen gab es gute Pflanzen, aber auch viele zu kleine oder instabile. Ich habe dann neue Genetik eingekreuzt, wie Diesel Ryder oder Chronic Ryder. 

 

Sebastian Good: Und so entstand auch irgendwann Lowryder 2? 

 

Sasha: Ja, Lowryder 2 war eigentlich der große Erfolg.

Die wahrscheinlich bekannteste Version ist Lowryder 2 – entstand durch Kreuzung von Lowryder mit Santa Maria (Brasilianische Genetik, wunderbarer Geschmack). Viel stärker, stabiler, sehr beliebt. Das war die Sorte, die so richtig abging und zu einer der erfolgreichsten aller Zeiten wurde. 

 

Sebastian Good: Damals alles reguläre Samen oder schon feminisiert? 

 

Sasha: Feminisierungen kamen erst nach ein paar Jahren. Anfangs waren es nur reguläre Samen.

 

Sebastian Good: Und das alles noch auf dem Schwarzmarkt? 

 

Sasha: Absolut. 

 

Sebastian Good: Wie war das, als du medizinische Lizenzen bekommen hast und weniger in Angst leben musstest? 

Sasha: Ja, für einige Jahre war ich lizenzierter medizinischer Grower für bestimmte Patienten. Es war keine kommerzielle Lizenz, aber immerhin ein gewisser Schutz – ich konnte mein eigenes Gewächshaus bauen, musste aber innerhalb der genehmigten Pflanzenzahl bleiben. Es wurde allgemein toleranter. Aber ehrlich gesagt war es auch eine Ablenkung: Ich nahm den Job ernst, aber am Ende wollte ich ja vor allem neue Sorten züchten. Das wurde fast zu einem eigenen Leben.

 

Sasha aka Joint Doctor

"Aber ehrlich gesagt war es auch eine große Ablenkung, Medizin-Grower zu sein, weil ich den Job ernst genommen habe."

 

Sebastian Good: Ich verstehe das voll. Wer für andere growt, hat einen weiteren Job parallel zum Züchten. Jeder Homegrower kennt das Trimm-Problem. 

 

Sasha: Genau. Und man muss dann möglichst viel rausholen, weil die Patienten oft wenig zahlen können, manchmal musste man auch gratis abgeben. Aber es hat auch Spaß gemacht, offen zu growen, Besucher zu empfangen. Es ist wie Cannabis-Tourismus: Leute wollten immer gleich ins Gewächshaus, nicht ins Haus selbst. 

 

Sebastian Good: Ich will irgendwann mal bei dir durch den Joint Doctor-Garten geführt werden! Aber Legalisierung ist auch oft ein bürokratischer Albtraum. 

 

Sasha: Sie sind überreguliert, behandeln Cannabis wie giftige Chemie oder Massenvernichtungswaffen. Übertriebene Sicherheit, riesiger Ressourcenverschleiß durch Bürokratie. Und alles wird in winzige Plastikpäckchen für die Konsumenten gepackt – völliger Unsinn.

 

Sebastian Good: Verschwendung, und das Produkt wird schlechter. Ich habe simple Gläser, luftdicht, mit Boveda-Pack. Kräuter bleiben monatelang frisch. Im Plastikbeutel zerbröselt alles. Traurig.

 

Sasha: Absolut. Es nimmt den Spaß. Aber der Kampf geht weiter.

 

Sebastian Good: Der Kampf wird nie aufhören – aber das Wichtigste ist, dass wir drüber reden, uns nicht verstecken, auch in Ländern ohne Legalisierung. Ich kenne Leute aus Slowenien, Spanien usw., die growen, Gesicht zeigen, wissen, dass sie niemandem schaden. Wir investieren sogar in die Wirtschaft. Das muss allen klarwerden. 

 

Dagga DNA trifft Fast Buds auf der Spannabis 2023.

Dagga DNA trifft Fast Buds auf der Spannabis 2023.

 

Sasha: Dank Leute wie dir, die das Thema mit Aufklärung nach außen bringen. 

 

Sebastian Good: Aufklärung und Entstigmatisierung. Ich kann keine Gesetze ändern, aber das Stigma bekämpfen. Erst neulich – überall Alkohol auf dem Tisch, Bier, Wein, Gin Tonic. Ich stelle mein Grinder und PAX dazu, geh ein paar Minuten und merke dann beim Vorbeigehen, dass ich als Einziger alles wegräume, weil die Kinder da sind. Beim Alkohol tut das niemand. Es ist schwieriger, ein Glas wegzutrinken als einen Joint zu rollen. Du kennst das sicher als Joint Doctor. 

 

Sasha: Klar, ist verrückt. Ich bin kein echter Doktor, meine Mutter ist Ärztin – aber gerne Ehren-Doktor für Cannabis! 

 

Sebastian Good: Ich bring dir das Titel in Person, wenn ich dich besuche! Petitionsunterschriften finden wir auch! 

 

Sasha: Klingt gut! 

 

Sebastian Good: Wie ist es für dich, Lowryder, dein Baby, wachsen zu sehen? Ich kenne das Gefühl, etwas zu gewinnen, aber bei dir ist es wirklich dein eigenes Werk. Es hat eine neue Kategorie geschaffen und du verdienst auch noch daran – wie fühlt sich das an?

 

Sebastian Good gewann die AWC-2023 mit Tropicana Cookies Auto von Fast Buds.

Sebastian Good gewann die AWC-2023 mit Tropicana Cookies Auto von Fast Buds.
 

Sasha: Es war aufregend. Nicht jeder kannte mich persönlich, aber plötzlich wurde ich von Kollegen, anderen Züchtern respektiert. Viele, zu denen ich aufgesehen hab – wie Simon von Serious Seeds, alte Hasen der Breederszene – behandelten mich als ihresgleichen und ich konnte Teil davon sein. Das war schon toll. Aber ich will immer noch mehr erreichen. Es gibt noch viel zu tun. 

 

Sebastian Good: Es gibt immer mehr zu tun, Sasha! Das wissen wir beide. Aber jüngere Züchter, die dir zeigen, was sie aus deinem Lowryder gemacht haben – wie fühlt sich das an? 

 

Sasha: Genau, das ist das Fantastischste. Lowryder war wie eine Initialzündung – ein Durchbruch. Es war ein „Eureka“-Moment. Aber inzwischen haben so viele Talente (wie du!) es weiterentwickelt und neue, bessere Versionen hervorgebracht. Einer allein kann nicht alles machen. Es gibt größere, bessere Züchter, das ist normal. 

 

Sebastian Good: Es gibt immer irgendwo „besser“. 

 

Sasha: Immer. Und deine Genetik kommt sowieso irgendwann raus – du kannst es eh nicht kontrollieren. Sie lebt ihr Eigenleben. 

 

Sebastian Good: Ich hoffe nur, dass niemand irgendwann ein „TM“-Zeichen auf Sorten packt – das funktioniert nie! Und wenn du moderne Autos siehst: heute hab ich z.B. eine deiner Devochka gekeimt. So nennt man sie doch, Devochka? 

 

Sasha: Ja, genau! 

 

Sebastian Good: Du probierst ja alle Sorten. Wenn du moderne Strains wie unsere Gorilla Cookies, Strawberry Gorilla, Tropicana Cookies siehst – was denkst du?

 

Sasha: Die Art, wie heute Samen vermarktet werden, ist sehr innovativ, sehr dynamisch. Eine Generation weiter. Es bewegt sich schnell wie die Musikbranche.

Nichts entsteht isoliert. Neue Ideen sind immer das Ergebnis vieler Einflüsse und Remix-Kultur.

Kaum gibt’s einen Hit, gibt’s gleich zehn Remixe. Alles entwickelt sich viel schneller als früher.

 

Autoflowering Cannabis – eine große und dynamische Community hat sich gebildet.

Autoflowering Cannabis – eine große und dynamische Community hat sich in den letzten Jahren gebildet.

 

Sebastian Good: Wir haben Glück mit Autos – kurze Zyklen, kein Mutterpflanzen-Stress, wir können immer weiter züchten. Es zwingt uns, uns weiterzuentwickeln. Klone oder Stecklinge verkaufen ist nicht – das geht immer nur über neue Züchtung und die Entwicklung ist irre schnell. 

 

Sasha: Absolut. Das weißt du ja aus eigener Erfahrung.

Fast Buds bringt ständig neue Sorten raus, ist sehr innovativ und mit seinem Marketing am Puls der Zeit.

So muss es auch sein – der Markt entwickelt sich rasend schnell!

 

Sebastian Good: Gerade die Vielfalt an Geschmacksrichtungen. „Dessert-Strains“, wie sie seit zehn Jahren vor allem in Kalifornien boomen, dazu diese irren Aromen – Erdbeer, Kirsche, Banana Purple Punch, wahnsinnig! Ich hab z.B. Banana Purple Punch das erste Mal angebaut und dachte: Sieht nicht nur krass aus (lila!), sondern schmeckt wie Fruchtkorb. Das ist einfach …

Sasha: Wahnsinn, wenn Weed wirklich nach dem schmeckt, was draufsteht! 

 

Sebastian Good: Und dann die Potenz. Viele sagen immer noch, Autos seien nicht potent. Aber unsere Strawberry Gorilla hat beim American Autoflower Cup 28,417 % getestet. Was will man da noch sagen?

 

Freegrow8 gewinnt den American Autoflower Cup mit Strawberry Gorilla Auto von Fast Buds.

Freegrow8 gewinnt den American Autoflower Cup mit Strawberry Gorilla Auto von Fast Buds.

Sasha: Thema erledigt, oder? 

 

Sebastian Good: Thema erledigt! Lass uns weiterdenken. Hast du auf Instagram von Canamatoes aus Kanada gehört?

 

Sasha: Ja, nur am Rande. 

 

Sebastian Good: Er growt ausschließlich Autos, viele von uns, im Mega-Pot-System (selbstbewässernd). Er zieht Autos in 60-Liter-Säcken unter 24h Licht, und jede Pflanze bringt ein Pfund trockene Blüten. Sogar mit Autos sind heute massive Erträge möglich! Welche Automatiks oder modernen Genetiken haben dich zuletzt richtig begeistert? Gerade auch als Juror beim Autoflower World Cup?

 

Sasha bewertet beim Autoflower World Cup 2023 mit Vince And Weed.

Sasha bewertet beim Autoflower World Cup 2023 mit Vince And Weed.
 

Sasha: Die Gesamtqualität der Sorten war überraschend hoch. Die Entscheidung fiel schwer. Z. B. gab es eine Auto Purple Punch, die sah aus wie das Original (farbecht usw.). Ich stehe total auf lila Sorten. 

 

Sebastian Good: Dann hast du sicher meine Tropicana Cookies gesehen – tiefdunkel, fast schwarz, außergewöhnlich frostig – die hat ja gewonnen. 

 

Sasha: Das war sie wohl! Bei der Verkostung kannten wir natürlich nur Nummern, keine Namen – wir testeten viele Sorten. 

 

Sebastian Good: Da warst du am Ende sicher richtig high, oder? 

 

Sasha: Oh mein Gott, so high wie selten! Aber es war angenehm. 20–30 Sorten in 24 Stunden – dann noch Interviews aufnehmen. Aber es war ein positives High!

 

Sebastian Good: Deswegen bleibe ich vor Interviews meist nüchtern, sonst verliere ich den Fokus. Das wäre zwar witzig, aber weniger informativ! 

 

Sasha: Das sehe ich genauso. Es braucht den richtigen Moment. 

 

Sebastian Good: Auf der Autoflower World Cup – du als „Ur-Großvater“ der Szene. Und dann hast du selbst gewonnen: einer deiner Grower stellte Doctor’s Choice 1 ein und erreichte Platz 2 Beste Sativa Auto. 

 

Sasha: Genau. Zweitbeste Sativa Auto. Für mich auch eine Überraschung. 

 

Sashas Sieg bei der AWC-23

DC #1 von Doctor's Choice holte Platz 2 in der Kategorie „Best Sativa“.
 

Sebastian Good: Du wusstest gar nicht, dass jemand sie eingereicht hat? 

 

Sasha: Ich wusste es nicht, hab sie auch selbst nicht erkannt, bis wir gewonnen haben. Es war ein schönes Gefühl, auch mal offiziell ausgezeichnet zu werden. Es war ein tolles Event. 

 

Sebastian Good: Viel Spaß, super organisiert. Viele verschiedene Juroren aus aller Welt.

Ich liebe generell das ganze Spannabis-Wochenende, denn so bekommen auch kleinere Wettbewerbe mit internationalem Publikum eine Bühne, gerade weil während der Spannabis ohnehin alle da sind und teilnehmen können.

Schön finde ich auch, dass jeder mitmachen kann – kostenlos – und so die Chance bekommt zu gewinnen. 

 

Sasha: Auf jeden Fall.

 

Joint Doctor bei der AWC-23

Joint Doctor bei der AWC-23.
 

Sebastian Good: Sasha, wo siehst du Autoflower in 5, 10 oder 20 Jahren? Schwierige Frage. 

 

Sasha: Ja, schwierige Frage. Hoffentlich mit mehr Fokus auf andere Cannabinoide und Profile, nicht nur THC – vielleicht spezielle Kombinationen aus THC, CBD, CBG und mehr Stabilität im Aroma. 

 

Sebastian Good: Glaubst du, das Stigma gegen Autos nimmt weiter ab? 

 

Sasha: Ja, definitiv. Das Stigma ist schon weit zurückgegangen. Die meisten normalen Konsumenten haben das Vorurteil nicht mehr. Die Hardcore-Grower wirst du nie ganz überzeugen – und sie müssen das auch nicht. Für kommerzielle Grower macht anderes Sinn, z.B. Klone und 100% Gleichheit – das geht mit Autos nicht. Aber die Breite wird wachsen, je stabiler die Strains werden. 

 

Moderne Autoflower sind völlig anders als die ersten Generationen – sie stehen vielen Photoperioden in nichts nach.

Moderne Autoflower sind völlig anders als die ersten Generationen – sie stehen vielen Photoperioden in nichts nach.
 

Sebastian Good: Ich glaube, es wird wie bei allem eine Frage von „möchte ich oder nicht“. Und wir werden noch viel über Autos lernen: Manche Grower mit Vorbehalten, besonders wenn sie Photoperioden gewöhnt sind, haben oft mehr Probleme mit Autos als Einsteiger, weil sie die Pflanzen überbehandeln.

 

Sasha: Richtig. Viele Vorurteile, aber viele Wege führen nach Rom. 

 

Sebastian Good: Dein Top-Tipp für den Anbau von Autoflowers?

 

Sasha: Ich stimme dir zu: Nicht zu viel nachdenken. Lerne deine Pflanze kennen und vor allem: Nicht überdüngen. Oft ist der Grower selbst das Problem. Beobachte, was deine Pflanzen brauchen – jede Situation ist anders. Tue ihnen nicht zu viel an und gib ihnen Zeit. 

Sebastian Good: Stimme voll zu. Einfach machen lassen, nicht übertrainieren, nicht überdüngen. Liebe und Geduld zeigen, das zeigt sich im Weed. 

 

Sasha: Genau. Ich bin eher Minimalist beim Beschneiden und Trainieren. Weniger ist oft mehr, vor allem bei Autos. Das ist der Vorteil: Gib ihr einen guten Start, gib ihr alles, was sie braucht, denn der Lebenszyklus ist kurz. 

 

Sebastian Good: Absolut.

Ich nutze Trocken-Dünger, Super Soil, mische alles vorab – später gibt’s nur noch Komposttees und Topdressings direkt zu Beginn. Es bringt nichts, zu warten. In gesundem Boden nimmt sich die Pflanze, was sie braucht. Nicht überdenken – das ist die Schönheit daran. 

 

Vor- und Nachteile von lebender Erde.

Vor- und Nachteile von lebender Erde.
 

Sasha: Exakt. Und lerne, die Zeichen der Pflanze zu lesen. Wenn Mangel, z.B. Stickstoff. Achte auf die Signale – und übertreib’s nicht. 

 

Sebastian Good: Ein Grower fragte: Welche drei Sorten würdest du auf eine Cannabis-freie Insel mitnehmen? Sie growt feinstes Weed. Sie half mir mal in Berlin, gab mir was von unserem Kraut für andere Leute. Ich fand die Frage super. 

 

Sasha: Ich habe tatsächlich schon öfter darüber nachgedacht: Was würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen? Ehrlich: Ich würde lieber eine Tüte gemischter Samen mitnehmen, ohne zu wissen, was dabei ist. So habe ich eine genetische Vielfalt, kann an die Bedingungen dort anpassen und mir das gönnen, was am besten funktioniert. 

 

Sebastian Good: Tolle Antwort – das kenn ich total. Ich hab wie du schon sehr früh Samen gesammelt und eine ganze Box im Kühlschrank. Nur für das Gefühl, immer genug Genetik für ein Leben Spieltrieb zu haben. 

 

Sasha: Genau, das Gefühl kenn ich nur zu gut. Wer weiß, was passiert. 

 

Sebastian Good: Absolut. Ich hoffe, es ergibt sich bald wieder was. Vielleicht sehen wir uns mal wieder – das Gespräch war echt klasse! Wir bringen das raus, für die ganze Welt – aber am schönsten ist es, sich auf Messen persönlich zu treffen, Gleichgesinnte zu finden und gemeinsam über unsere geliebte Pflanze zu fachsimpeln. 

 

Sasha: Ich liebe das – das gibt Energie! Leute erzählen ihre Geschichten, haben unsere Samen probiert. Man kommt zurück mit neuer Begeisterung. Denn der Alltag als Züchter ist oft eher Fleißarbeit, etwas einsam. Aber bei Treffen wie diesen wächst die Familie immer ein bisschen. 

 

Sasha neben seinem Stand auf der Spannabis 2023.

Sasha neben seinem Stand auf der Spannabis 2023.
 

Sebastian Good: Vielleicht komm ich nach Prag. Bist du auf der Cannafest? 

 

Sasha: Ja, Cannafest richtet sich dieses Jahr in Prag aus, das wäre super! 

 

Sebastian Good: Ich hoffe, wir sehen uns dort. War schon 12 Jahre nicht mehr in Prag, so eine schöne Stadt, und bei einer Messe ist es ein ganz anderes Erlebnis. Man sieht bekannte Gesichter, trifft Kenner und tauscht die Leidenschaft für die Pflanze aus. 

 

Sasha auf der Cannafest 2019.

Sasha auf der Cannafest 2019.
 

Sasha: Viele gute Dinge im Cannabisbereich entstehen aus geteilter Leidenschaft – nicht nur aus Profit. Aber vielleicht sollten wir beim nächsten Gespräch ja mal über eine Zusammenarbeit reden – vor allem für den kanadischen Markt. Deine Samen würden hier vielen gefallen!

 

Sebastian Good: Das ist das Schöne. Auf der letzten Spannabis war diese Kollaborations-Vibe stark zu spüren. Klar, es gibt Wettbewerb, aber der treibt uns an. Doch zusammen entwickeln wir uns weiter, am Ende geht‘s um unsere Pflanze, unsere Leidenschaft. Und das erkennt man. 

 

Sasha: Und die Neuen, die in 1–2 Jahren nicht mehr dabei sind, erkennt man auch. Aber wer aus Leidenschaft bleibt, der ist Teil der Familie. Wir respektieren uns. Das ist das Beste daran. Bleib du auch dran, Sebastian! 

 

Sebastian Good: Danke, gleichfalls! Danke für alles – für deinen Einsatz, fürs Teilen deines Wissens. Und nicht vergessen: Es ist irgendwo immer 4:20 Uhr! 

 

Sasha: Danke, dass ich dabei sein durfte. Cheers! Es ist immer 4:20 irgendwo. 

 

Sebastian Good: Merci, Mann. 



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