Weed in Russland: Leitfaden zum rechtlichen Status von Cannabis
- 1. Cannabisgesetze in russland
- 1. a. Besitz
- 1. b. Verkauf
- 1. c. Anbau
- 2. Ist cbd in russland legal?
- 3. Ist es legal, cannabissamen nach russland zu versenden?
- 4. Medizinisches cannabis in russland
- 5. Industriehanf in russland
- 6. Geschichte und politik
- 7. Gut zu wissen
1. Cannabisgesetze in Russland
Mit über 144 Millionen Einwohnern ist die Russische Föderation das größte Land Europas, sowohl hinsichtlich der Fläche als auch der Bevölkerung. Aber gibt es legalen Zugang zu Weed in Russland? Berüchtigt für seine strengen Regime in der Vergangenheit überrascht es wahrscheinlich nicht, dass Cannabis in Russland tatsächlich illegal ist. Tatsächlich ist das Land dafür bekannt, die meiste Anzahl an Gefängnisinsassen (pro Kopf) wegen Drogendelikten in Europa zu haben.
Wie zu erwarten ist, verfolgt die russische Regierung einen besonders harten Kurs bei Besitz und Konsum von Cannabis. In diesem Artikel werfen wir einen ausführlichen Blick auf die russischen Weed-Gesetze. Doch bevor wir näher ins Detail gehen, beginnen wir mit den Grundlagen.
Besitz
Nach dem Strafgesetzbuch des Landes wird der Besitz von Cannabis mit einer Geldstrafe und/oder einer Gefängnisstrafe geahndet. Eine Gesetzesänderung im Jahr 2012 ermöglicht es jedoch, die Strafe aufzuschieben, wenn beim Täter eine Suchtproblematik festgestellt wird. Wer mit kleinen Mengen bis zu sechs Gramm erwischt wird, fällt unter das russische Verwaltungsrecht und muss mit einer Geldstrafe oder einer kurzen Haftstrafe von zwei Wochen rechnen. Wer jedoch mehr als sieben Gramm besitzt, muss mit schwerwiegenderen strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Wie zu erwarten, ziehen ernste Delikte schwere Strafen nach sich, und wer absolut sicher vor Strafverfolgung sein möchte, sollte nicht mehr als 1 Gramm Cannabis bei sich haben. Mit Weed in Russland erwischt zu werden, ist definitiv keine gute Idee. Überlege dir gut, welches Risiko du eingehst, bevor du einen Joint am Roten Platz anzündest!
- Eine Geldstrafe von bis zu 40.000 Rubel (etwa 600 Euro)
- Verpflichtende Arbeit bis zu 480 Stunden
- Erziehungshaft bis zu zwei Jahren
- Mögliche Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.
Für Beteiligung an groß angelegten Aktivitäten drohen noch strengere Strafen: eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Rubel (ca. 7.000 Euro) und eine Haftstrafe von bis zu zwölf Jahren. Angesichts dessen ist Besitz oder Konsum von Cannabis in Russland einfach nicht empfehlenswert, trotzdem wird geschätzt, dass bis zu 8,5 Millionen Menschen die Pflanze regelmäßig konsumieren. Die Möglichkeiten, ernsthafte Strafen zu vermeiden, sind gering – die Freispruchsrate liegt bei nur 0,1%.
Verkauf
Wie der Besitz, wird auch der Verkauf von Cannabis als schwere Straftat gewertet, und wer beim Verkauf der Pflanze erwischt wird, muss mit ähnlich harten Strafen rechnen. Selbst Kleindealer können mit dem Verlust ihrer Freiheit (Hausarrest oder mögliche Haftstrafe) über mehrere Jahre rechnen.
Groß angelegte Aktivitäten führen zu noch schwereren Strafen von bis zu zwölf Jahren Haft und einer Geldstrafe bis zu 1.000.000 Rubel. Ist das Vorgehen Teil eines organisierten Netzwerkes, drohen sogar bis zu zwanzig Jahre Haft.
Anbau
Wenig überraschend ist auch der Anbau von Cannabis in Russland illegal. Ähnlich wie die Strafen für Besitz und Verkauf, ist der Marihuana-Anbau in Russland besonders riskant – Haftstrafen sind selbst beim Besitz weniger Pflanzen fast unausweichlich.

Trotz des harten Umgangs mit Cannabis gab es politisch einige positive Bewegungen. Im Sommer 2019 wurde ein Gesetzesentwurf von der russischen Regierung verabschiedet, der theoretisch den Anbau von Marihuana zu medizinischen Zwecken erlauben könnte. Bislang wurde das Gesetz aber nicht unterzeichnet und der Prozess stagniert derzeit.
2. Ist CBD in Russland legal?
Kurze Antwort: NEIN. CBD ist in Russland illegal – unabhängig vom THC-Gehalt des Produkts. Auch aus Hanf gewonnenes CBD-Öl gilt als illegales Betäubungsmittel und selbst per Post können CBD-Produkte nicht nach Russland versendet werden. Ein Beispiel hierfür ist der jüngste Fall der US-Basketballerin Brittney Griner, die wegen des Besitzes von in Russland illegalem Haschischöl festgenommen wurde – und damit die Risiken beim Besitz solcher Produkte in Russland deutlich macht.
3. Ist es legal, Cannabissamen nach Russland zu versenden?
Kaum überraschend – auch Cannabissamen sind illegal und dürfen nicht ins oder aus dem Land verbracht werden.
4. Medizinisches Cannabis in Russland
Trotz des oben genannten Gesetzentwurfs von 2019 bleibt die Nutzung von medizinischem Cannabis in Russland verboten. Cannabis wird weiterhin zur höchsten Kategorie von Betäubungs- und psychoaktiven Substanzen gezählt. Der Zugang zu medizinischem Cannabis in Russland ist weiterhin streng untersagt. Substanzen der Liste I, zu denen Cannabis zählt, unterliegen der strengsten staatlichen Regulierung.

Im Juli 2019 änderte die russische Regierung das Gesetz zu Betäubungs- und Psychotropenstoffen. Es wurde teilweise erlaubt, Pflanzen, die Wirkstoffe enthalten, zum Zwecke der Herstellung von Betäubungs- und psychoaktiven Substanzen für medizinische oder veterinärmedizinische Nutzung anzubauen. Reguliert war, den Anbau von Cannabis zu medizinischen und veterinärmedizinischen Zwecken teilweise zu erlauben, doch de facto ist bislang nichts geschehen. Daher bleibt medizinisches Cannabis in Russland weiterhin unerreichbar – und das dürfte sich so schnell nicht ändern.
5. Industriehanf in Russland
Russland war früher stark auf Hanf als Nutzpflanze angewiesen. Hanffasern waren im 18. Jahrhundert eine der wichtigsten Einkommensquellen in vielen Regionen des Landes. Tatsächlich war Hanf über Jahrhunderte eine bedeutende Ware in Russland und das Land wurde Mitte des 18. Jahrhunderts zum weltweit größten Produzenten. Zu diesem Zeitpunkt wird geschätzt, dass rund 80 % des in Europa verwendeten Hanfs aus Russland stammten. Das Material war für die Russen wirtschaftlich bedeutender als Metall, Holz oder Fell.
Im 19. Jahrhundert war Großbritannien stark vom russischen Hanf abhängig, was zum sogenannten Hanfkrieg mit Napoleon führte. 1807 jedoch einigten sich Frankreich und Zar Alexander I. im Frieden darauf, Großbritannien keinen Hanf mehr zu liefern.

Die Einigung hielt jedoch nicht lange, wenige Jahre später florierte der Hanfhandel zwischen Russland und Großbritannien erneut. Verärgert über den russischen Vertragsbruch marschierte Napoleon 1812 Richtung Moskau, um die russische Hanfversorgung zu kontrollieren. Doch Napoleons Armee wurde rasch besiegt und die Russen behielten die Kontrolle über die lukrative Hanfindustrie. Bis ins 19. Jahrhundert wurden etwa 40 % des europäischen Hanfs in Russland produziert.
Mit dem Übergang ins 20. Jahrhundert ging der Hanfhandel in Russland jedoch deutlich zurück – zum einen wegen des schlechten Rufs der Pflanze, zum anderen wegen geringerer Anbauflächen und niedrigerer Erträge. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 nahm der Hanfanbau weiter ab. Trotz des Rückgangs wurde Hanf jedoch nie verboten und wird auch heute noch angebaut – während einst sechzehn Hanffarmen existierten, gibt es heute nur noch eine einzige in Wolchow.
Trotz des Niedergangs der Branche wird geschätzt, dass im Osten des Landes und rund um das Schwarze Meer etwa 2,5 Millionen Hektar wilder Hanf wachsen.
6. Geschichte und Politik
Russland verbindet eine lange Geschichte mit der Cannabispflanze, wobei Funde belegen, dass Cannabis dort schon vor Tausenden Jahren konsumiert wurde. Bei einer Ausgrabung in den Altai-Bergen wurde nachgewiesen, dass Menschen die Pflanze zu medizinischen, religiösen oder spirituellen Zwecken verwendeten. Vermutlich brachten die Skythen, ein Nomadenvolk, das für den Transport von Cannabis auf ihren Wanderungen bekannt war, die Pflanze nach Russland.
Trotz der langen und reichen Geschichte bleibt Russland in seiner Haltung zu Cannabis weiterhin sehr strikt. Wie in diesem Artikel erklärt, ist die russische Cannabis-Politik besonders streng; das Strafmaß für Weed gehört zu den höchsten in Europa. Der Widerstand der russischen Regierung gegen Cannabis wurde auch im Umgang mit der Legalisierung in Kanada deutlich, die als „bewusster Verstoß“ gegen das internationale Recht bezeichnet wurde.
Präsident Putin hat sich während seiner Präsidentschaft seit Beginn des neuen Jahrhunderts immer wieder gegen die Pflanze und deren Legalisierung in anderen Ländern ausgesprochen. Es wurde sogar berichtet, dass die Regierung damit gedroht habe, Wikipedia zu sperren, falls Informationen zur Herstellung von Haschisch nicht entfernt werden.
Die russische Intoleranz gegenüber Cannabis und Cannabinoiden betrifft auch den Sport: Sportler in Russland dürfen laut einer Anweisung des Sportministeriums von 2018 Cannabinoide nicht konsumieren. Die negative Haltung der Regierung spiegelt sich auch in der Bevölkerung wider: Verschiedene Umfragen, deren Verlässlichkeit allerdings fraglich ist, deuten darauf hin, dass über 90 % der Russen gegen die Legalisierung von Marihuana sind.
Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist Cannabis in Russland weder besonders beliebt noch weit verbreitet. Es wird geschätzt, dass weniger als 4 % der russischen Bevölkerung Cannabis konsumieren. Angesichts der strengen Strafen ist das kaum überraschend. Entsprechend ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die Weed-Gesetze für Freizeitnutzer oder Patienten in naher Zukunft ändern. Die Legalisierung zu medizinischen Zwecken war Thema, wie im Gesetzesentwurf von 2019, wurde aber bisher nicht umgesetzt – Fortschritte beim Medizinalcannabis in Russland bleiben schleppend. Tatsächlich hat Russland sogar eine Anti-Drogen-Strategie verabschiedet, die mindestens bis 2030 laufen soll. Darin wird der Freizeitkonsum von Cannabis als ernsthafte Bedrohung für das Gesundheitssystem bezeichnet.
7. Gut zu wissen
Angesichts der aktuellen Lage in der Region ist klar, dass die Cannabisgesetze in Russland derzeit keine Priorität für die Regierung haben. Da in den kommenden Monaten mit nur wenigen ausländischen Besuchern gerechnet wird, dürfte das Thema Cannabis in Russland vorerst in den Hintergrund treten.
Solltest du demnächst in Russland sein, ist es im Hinblick auf die möglicherweise harten Strafen wohl am sichersten, auf Cannabis zu verzichten.
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